Aktives Zuhören

Beim aktiven Zuhören versucht der Empfänger zu verstehen, was der Sender empfindet oder was seine Botschaft besagt. Dafür formuliert er das Verstandene mit eigenen Worten und meldet es zur Bestätigung an den Sender zurück. Der Empfänger sendet keine eigene Botschaft (Urteil, Meinung, Analyse, Frage etc. -> siehe Kommunikationssperren). Er meldet nur zurück, was er gehört hat.

Wann aktives Zuhören angemessen ist

Thomas Gordon hat in seinem Buch „Familienkonferenz“ Voraussetzungen für aktives Zuhören definiert:

  • Der Sprechende äußert verbal oder nonverbal, dass er ein Problem hat oder Bedürfnisse unbefriedigt sind.
  • Der Zuhörer hat wirklich Zeit und Lust zuzuhören.
  • Der Zuhörer empfindet zu diesem Zeitpunkt Annahme für sein Gegenüber und fühlt sich nicht etwa belästigt oder gestört.
  • Der Zuhörer verfolgt kein bestimmtes Ziel. Ganz im Gegenteil, er ist bereit jede wie auch immer geartete Lösung seines Gegenübers zu akzeptieren.
  • Der Zuhörer kann seine eigenen Sorgen, Geschichten etc. außen vor lassen.

Wann aktives Zuhören ungeeignet ist

Aktives Zuhören eignet sich nicht, wenn:

  • der Sprechende keine Hinweise auf ein Problem gibt – der Zuhörer also selbst erst ein Problem erschafft (das dann eigentlich seines ist).
  • der Empfänger eigentlich gar nicht zuhören will oder kann (weil ihn das Thema triggert oder er in Eile ist).
  • der Zuhörer das Verhalten des Gegenübers ablehnt und es ggf. auf sich bezieht.
  • der Zuhörer überzeugt von seiner Lösung ist und davon nicht abweichen will.
  • der Zuhörer so stark mit seinen eigenen Problemen beschäftigt ist, dass es ihm unmöglich ist, sich voll und ganz auf sein Gegenüber einzulassen.
  • der Sprechende einfach nur eine Information braucht.
  • der Zuhörer ablehnende Gefühle hat und diese zu verbergen versucht.
  • der Sprechende seine Probleme eh schon ganz klar beschreibt.

Praktische Hinweise

Thomas Gordon rät dazu, einen Türöffner zu Beginn des Gesprächs zu nutzen. Dies können Äußerungen sein wie: aha, oh, hm, interessant, tatsächlich oder Sätze wie: Erzähl‘ mir mehr darüber. Möchtest du darüber sprechen? Schieß´ los, ich höre! Das scheint etwas zu sein, was dir sehr wichtig ist.

Während es Gesprächs gilt es nun, die Tür auch weiterhin offen zu halten. Indem der Zuhörende seine eigenen Empfindungen und Gedanken aus dem Kommunikationsprozess heraus hält. Und die Verantwortung für das Problem bei dem Gegenüber lässt.

Aktives Zuhören aus Sicht der GFK

Ergänzend dazu noch einige Gedanken von Marshall B. Rosenberg:
Ihm geht es um ein „respektvolles Verstehen der Erfahrungen anderer Menschen“.
Der Zuhörer konzentriert sich dafür rein auf die Beobachtungen, Gefühle, Bedürfnisse und Bitten, die er beim Gegenüber hört.
Dazu kann er paraphrasieren, was der andere gesagt hat und sich rückversichern, ob dieser es auch so gemeint hat (entspricht dem Aktiven Zuhören im Sinne von Carl Rogers / Thomas Gordon). Der Zuhörer kann dem Sprecher auch Gefühle und Bedürfnisse aus der eigenen emotionalen Resonanz heraus anbieten, das nennen GFKler „Empathische Vermutung“. Wichtig ist, dass es wirklich nur Angebote sind und keine Feststellungen. Denn was der andere braucht oder sich wünscht, dass kann eben nur er selbst wissen. Der Zuhörer kann ihm lediglich dabei helfen, sich selbst darüber klar zu werden.

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