Feiern und Bedauern

Was ist das?

„Feiern und Bedauern“ ist in der Gewaltfreien Kommunikation (GFK) ein sehr beliebtes (meist abendliches) Ritual. Dabei hat es seinen Ursprung vermutlich schon in der Antike. Da schrieb der römische Philosoph Seneca regelmäßig Briefe an den Dichter Lucilius. Veröffentlicht sind diese 124 Texte als „Moralische Briefe“ und in einem heißt es:

„Ich will mich ständig unter Beobachtung halten und – was am sinnvollsten ist – jeden einzelnen Tag reflektieren.“

Seneca

Seneca empfiehlt, genau zu prüfen, was zur Zufriedenheit beigetragen und was sie beeinträchtigt hat.
Anders gesagt: Wir schauen, was der vergehende Tag beinhaltet hat, das zur Bedürfniserfüllung beigetragen hat (=Feiern) und was wir vermissen; welche Bedürfnisse unerfüllt geblieben sind (=Bedauern).

In Bezug auf Kinder lädt das Ritual zu kurzen Rückblicken, etwa am Ende des Tages, ein. So erweitern die Kinder (gemeinsam mit den Erwachsenen) nach und nach ihren Gefühls- und Bedürfniswortschatz. Gleichzeitig kann es auch Themen ans Licht bringen, die die Kinder bewegen. Und über die sie sonst vielleicht nicht gesprochen hätten.

Wie geht das?

Wir beschreiben hier eine Variante, wie du das Ritual mit deinen Kindern durchführen kannst. Natürlich kannst du es nach euren Bedürfnissen und Ideen entsprechend abwandeln.

  • Suche dir einen Zeitpunkt, zu dem ihr etwas Ruhe habt und es euch gemütlich machen könnt. Sei es beim Abendessen oder vorm Einschlafen, im Bett oder auf der Couch. Vielleicht auch in einer selbst gebauten Höhle unterm Tisch.
  • Am einfachsten ist es, wenn du anfangs selbst beginnst.
    FEIERN: Welches Bedürfnis hat sich heute erfüllt? Durch welche Situation? z.B. Ich feiere, dass wir heute drei Stunden zusammen im Wald waren und gespielt haben, weil ich dadurch ganz viel BEWEGUNG hatte und es mir so viel FREUDE macht, euch beim Klettern zuzusehen.
    BEDAUERN: Ist heute etwas passiert, was du dir im Nachhinein anders gewünscht hättest? Welches Bedürfnis hat sich nicht erfüllt? z.B. Ich bedaure, dass ich beim Abendessen mit dir geschimpft habe und wir dann nur noch geschwiegen haben, weil mir NÄHE und VERBINDUNG so wichtig ist.
  • Lade dann dein Kind ein, mitzumachen. Natürlich altersgemäß.
    Was war heute gut? Was fandst du richtig blöd?
    Wenn es nur sagt: „Der Kuchen war gut.„, dann kannst du ein wenig unterstützen: „Dir hat das Kuchenessen gefallen, weil wir da alle gemeinsam bei Oma im Garten gesessen haben?“ (erfülltes Bedürfnis: GEMEINSCHAFT).
    Oder wenn es sagt: „Lotta hat nicht mit mir gespielt„, dann kannst du empathisch vermuten: Hättest du dir gewünscht, dass Lotta fragt, ob du mit zum Spielplatz kommst?“ (unerfülltes Bedürfnis: GESEHEN WERDEN).

Was bringt das?

  • Du zeigst dem Kind etwas von deiner Welt und das Kind ist eingeladen, von seiner zu erzählen.
  • Das Kind lernt, Verantwortung für seine Bedürfnisse zu übernehmen.
  • Es bekommt ein Gefühl dafür, welche Dinge dir selbst wichtig sind, wie Verhalten oder Situationen auf dich wirken.
  • Du bekommst ein Gefühl dafür, welche Dinge deinem Kind wichtig sind und wie Verhalten oder Situationen auf es wirken.
  • Das Ritual schafft Nähe und Vertrauen.
  • Es kann ein Frühwarnsignal sein für Probleme oder Nöte, die das Kind hat.
  • Es bietet die Möglichkeit, vielleicht über den Tag entstandene Missverständnisse auszuräumen.
  • Es trainiert den Umgang mit Gefühlen und kann Kraft und Energie schenken.

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