Kommunikationssperren

Worum geht es?

Der amerikanische Psychologe Thomas Gordon (1918-2002) hat 1970 den Elternratgeber „Familienkonferenz“ veröffentlicht. In ihm beschreibt er eingangs eine „Sprache der Nichtannahme“. Diese ist unter anderem durch die Verwendung von typischen Entgegnungen von Eltern auf Aussagen ihrer Kinder charakterisiert. Er fasst diese Äußerungen in zwölf Kategorien zusammen: den Kommunikationssperren.

Was bewirken Kommunikationssperren?

Allen zwölf Kommunikationssperren ist gemeinsam, dass sie entweder die Verbindung zum Kind unterbrechen können oder verhindern, dass diese überhaupt erst zustande kommt. Die Bereitschaft des Kindes, überhaupt von seinen Problemen oder vielleicht auch Missgeschicken zu erzählen, schwindet in der Regel bei Anwendung von Kommunikationssperren. Gleiches gilt für die Bereitschaft des Kindes, seinem Gegenüber zuzuhören. Der Grund dafür liegt in einem Ungleichgewicht: Es findet keine Kommunikation auf Augenhöhe statt.

Die 12 Kommunikationssperren – erläutert an einem Beispiel:

Das Kind kommt aus der Schule nach Hause und sagt: „Ich hasse die Schule, ich gehe nie wieder dahin.“

1.  Befehlen, anleiten, kommandieren

„Das kommt überhaupt nicht in Frage! Natürlich gehst du weiter in die Schule.“

Mögliche Folgen: Kind lernt, seine Gefühle und Bedürfnisse zu unterdrücken, Furcht vor der Macht der Eltern, Widerstand und Rebellion, der Gedanke „Meine Eltern trauen mir wenig zu.“

2. Warnen, ermahnen, drohen

„Wenn ich dich dabei erwische, wie du die Schule schwänzt, dann…“

Mögliche Folgen: Angst oder Unterwerfung, Groll, Ärger, Auflehnung, Kind fühlt sich abgelehnt und unverstanden

3. Zureden, moralisieren, predigen

„Ja, das Leben ist eben kein Ponyhof. Jeder hat seine Pflichten.“

Mögliche Folgen: Schuldgefühle, Kind zieht sich zurück, Kind spürt, dass ihm der Erwachsene nichts zutraut, verteidigt die eigene Position noch vehementer, geht in Widerstand

4. Vorschläge machen, (ungefragt) Lösungen anbieten

„Warum nimmt du dir nicht jeden Tag etwas Schönes vor, dass du in der Schule erleben willst?“
„Ich an deiner Stelle würde die Zeit dort genießen.“
„Ich schlage dir vor, dass du einfach akzeptierst, dass an der Schule kein Weg vorbeiführt.“

Botschaft: Ich traue meinem Kind nicht zu, seine Probleme selbst zu lösen. Ich nehme dem Kind die Möglichkeit, sein Problem selbst zu lösen. Mögliche Folgen: Abhängigkeit oder Widerstand

5. Mit Logik überzeugen, argumentieren

„Ja, aber in der Schule lernst du doch auch ganz viel. Außerdem sind da deine Freunde.“

Mögliche Folgen: provoziert Verteidigung und Gegenargument, das Kind resigniert „Es nützt sowieso nichts. Ich werde nicht gehört.“,  es hört weg, es fühlt sich minderwertig

6. Urteilen, kritisieren, beschuldigen

„Du bist total faul.“
„Dein Gejammer macht es auch nicht besser.“
Deine Einstellung ist schuld, dass dir die Schule keinen Spaß macht.“

Mögliche Folgen: Kinder erzählen nichts mehr, da sie Angst vor negativen Folgen haben, Kinder nehmen das Urteil als wahr an oder rebellieren dagegen und wenden es auf die Eltern an

7. Loben, zustimmen

„Ja, das stimmt, diese Schule ist echt unmöglich.“
„Ja, du wärst eigentlich woanders viel besser aufgehoben, bei deiner Intelligenz.“

Mögliche Folgen: kann als Manipulation aufgefasst werden, weckt hohe Erwartungen an das Kind, kann das Kind zu Perfektionismus drängen, Unstimmigkeiten zwischen Selbst- und Fremdeinschätzung, Abhängigkeit von anderen

8. Beschimpfen, lächerlich machen, beschämen

„Ah, mein lieber Herr Sohn ist sich zu fein für die Schule…“

Mögliche Folgen: Kind kann sich ungeliebt und wertlos vorkommen, Selbstwert sinkt, provoziert starken Gegenwind

9. Analysieren, interpretieren, diagnostizieren

„Weißt du was dein eigentliches Problem ist? Du verwechselst Pflicht und Spaß.“

Mögliche Folgen: Kind empfindet es bedrohlich und frustrierend, fühlt sich in die Enge getrieben, bloßgestellt, unglaubwürdig, hat keine Lust mehr, etwas zu erzählen, Kind fühlt Überlegenheit der Eltern

10. Beruhigen, trösten, bemitleiden

„Ach, so Phasen hat jeder mal. Morgen sieht die Welt ganz anders aus.“

Mögliche Folgen: Kind fühlt sich missverstanden und nicht ernst genommen, Gedanke: „Es ist nicht in Ordnung, sich so zu fühlen.“, kann Feindseligkeiten hervorbringen, Kontakt bricht ab

11. Ausfragen, verhören

„Was war denn jetzt schon wieder los?“
„Hast du etwa wieder Blödsinn gemacht?“

Mögliche Folgen: verleitet zum Lügen oder Ausweichen, kann Angst, Furcht und Druck auslösen, leitet weg vom eigentlichen Problem

12. Ablenken, spötteln, sich zurückziehen, aufheitern

„Ach, die liebe Schule. Na komm, wir essen jetzt erstmal.“

Mögliche Folgen: Kind lernt, dass es lieber den Schwierigkeiten aus dem Weg geht, Kind denkt, seine Probleme sind nicht wichtig, unterdrückt die Offenheit des Kindes

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