Advent – und alles ist anders

Freust du dich auf die Adventszeit? Wir haben die ersten Plätzchen gebacken, gemeinsam einen Adventskalender gebastelt und den Adventskranz mit frischem Tannengrün und Kerzen bestückt. Und doch: Es fällt uns schwer, dieses Jahr so richtig in Stimmung zu kommen.

Das spiegelt auch eine aktuelle Umfrage* wider: Demnach verschiebt sich der sonst so oft beklagte „Weihnachtsstress“ aus Feiern, Verabredungen, Shopping und Co. dieses Jahr in Richtung Gesundheit. Die Mehrheit der Befragten (54 Prozent) belastet die Sorge, dass ein Familienmitglied die Feiertage im Bett oder gar im Krankenhaus verbringen muss – sei es wegen Corona oder einem anderen Leiden. Psychisch belastend ist für viele außerdem die Angst vor der Einsamkeit an Weihnachten: 41 Prozent befürchten, das Fest wegen der Pandemie im kleineren Kreis oder gar allein feiern zu müssen. Jeden Vierten belastet wiederum die Sorge, über die Feiertage möglicherweise nicht verreisen zu können (23 Prozent).

*forsa im Auftrag der KKH Kaufmännische Krankenkasse

Wie kann ich klar sein, wenn mir selbst Klarheit und Orientierung fehlen?

Aus unserer eigenen Umfrage, an der knapp 50 Flaschenpost-Leser teilgenommen haben, wissen wir noch ein Thema, dass viele Eltern gerade beschäftigt: Wie erkläre ich meinem Kind Dinge, die ich selbst nicht wirklich verstehe? Wie kann ich klar sein und Orientierung geben, wenn mir beides zurzeit selbst fehlt?

Wir, Verena und ich, haben uns Gedanken darüber gemacht. Oft genug geben wir unseren Kindern zurzeit auch eher vage Antworten. Zum Beispiel auf die Frage, mit wem sie sich treffen dürfen. Wie sollen wir das bloß „richtig“ entscheiden? Auf welcher Grundlage? Auch das beklagten einige von euch in unserer Umfrage: Die aktuell geltenden Corona-Empfehlungen legt jede Familie unterschiedlich für sich aus. Wie erkläre ich es meinem Kind, dass es sich nur mit der besten Freundin treffen darf, wenn alle anderen aus der Klasse jede Woche eine Vielzahl von Freunden treffen? Puh. Das ist wirklich nicht so leicht.

Was wir allerdings auch (mal wieder) feststellen konnten: Lieber, wir treffen eine unbequeme Entscheidung, hinter der wir dann auch stehen, statt durch ein ewiges Rumgeeiere Unruhe in die Familie zu bringen.

Leuchtturm sein heißt manchmal auch einfach nur: standhaft bleiben

Ihr kennt sicher das Bild von Juul, das wir als Leuchtturm Eltern uns zum Vorbild nehmen: Eltern sollen für ihre Kinder wie Leuchttürme sein. Sie senden in regelmäßigen Abständen starke Signale aus, an denen sich die Kinder orientieren können und so über die Zeit immer besser lernen, selbstständig Kurs zu halten. Sendet der Leuchtturm (also die Eltern) keine Signale mehr aus, kollidieren die Kinder zwangsläufig mit ihm. Ich ergänze: Oft kollidieren die Kinder zudem dann miteinander. Oder anders gesagt: Es gibt deutlich mehr Geschwister-Zoff.

Wir werden unsere Unsicherheit und unsere Sorgen kaum vor unseren Kindern verbergen können. Das ist auch gar nicht das Ziel. Viel entscheidender finde ich persönlich, dass das Fundament fest ist. Wir also Klarheit darüber haben, was uns im Leben wichtig ist. Wie wir miteinander umgehen wollen. Was wir brauchen, um diese und andere Herausforderungen miteinander bestehen zu können.

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Foto: Lena Khrupina/Pexels.com

Auch der Blick nach innen kann Klarheit bringen

In stürmischen Zeiten hilft es daher, den Blick nach innen zu richten. Dabei kann uns die Gewaltfreie Kommunikation helfen. Wir finden: Gerade die am Sonntag beginnende Adventszeit ist dafür besonders geeignet. Schließlich geht es um Ankunft (= lat. Adventus). Wie schaffe ich es, bei mir selbst anzukommen, um dann meinen Kindern wieder der Leuchtturm sein zu können, den sie zurzeit mehr denn je brauchen?

Im Grunde kannst du an jeder beliebigen Stelle anfangen.

Was ist gerade präsent? Wie fühlst du dich?

Angst

Situation: Hast du Angst? Neue Situationen lösen dieses Gefühl oft aus. Die Gedanken kreisen, du bist fahrig und unkonzentriert. Was sonst zuverlässig da war, bleibt plötzlich aus. Die Folge: Kontrollverlust. Bist du ein Mensch, dem Kontrolle wichtig ist? Wie kommst du dem in deinem Alltag nach? Schaffst du dir Strukturen, die Sicherheit geben? Hast du Rituale und Routinen?

Ideen: Gerade die Adventszeit steckt so voller Rituale. Kann ich dem unkontrollierbaren Außen ein kontrolliertes Innen, also in der Familie, entgegensetzen? Bei uns gehört es zum Beispiel zum festen Ablauf, dass wir uns nachmittags mit angezündeter Kerze, Plätzchen und Tee im Wohnzimmer treffen und den entsprechenden Teil der Adventskalendergeschichte gemeinsam lesen.

Traurigkeit

Situation: Bist du traurig? So viele Dinge, die sonst fest zur Adventszeit gehören, fallen dieses Jahr aus. Menschen, die uns wichtig sind, können wir vielleicht nur mit Abstand oder gar nicht treffen. Und die Perspektive, dass jetzt erst noch der ganze Winter vor uns liegt, hat etwas Trostloses. Vielleicht fühlst du dich müde und matt, bist erschöpft von den vielen kleinen und vielleicht sogar größeren Rückschlägen.

Ideen: Nähe trotz Abstand zu schaffen, ist gar nicht so leicht. Auch das war Thema in unserer Umfrage. Eine dort genannte Idee möchte ich gerne hier zitieren: „Heute wird nur noch whatsappt oder gefacebookt, aber ein geschriebener Brief bringt viel mehr Gefühl. Und Brief-Freundschaften helfen vielleicht auch (älteren) Kindern. Ich habe für unsere erwachsenen Kinder Adventskalender gekauft, die ich mit einem besonderen Brief verschicken möchte, damit sie in der Vorweihnachtszeit jeden Tag mit dem Stückchen Schokolade eine Umarmung oder einen Gedanken von mir haben.“ Empathie hilft. Das Wissen, nicht alleine zu sein. Egal welches Kommunikationsmedium du dafür nun konkret nutzt. Jedes hat seine Vor- und Nachteile.

Ohnmacht

Situation: Fühlst du dich ohnmächtig? Egal was du tust, nichts erscheint so richtig sinnvoll? Du hast weder die Macht noch die Mittel dazu, gewisse Missstände zu beenden oder Probleme zu lösen? Das fühlt sich ganz schön mies an. Für den einen mehr, für den anderen weniger. Manchen Menschen fehlt jeglicher Impuls zu handeln. „Bringt ja eh alles nichts.“ Halten solche Zustände und Gedanken länger an, dann kann es sich dabei auch um eine Depressive Episode handeln.

Ideen: Überlege: Über was in deinem Leben hast du Kontrolle? In welchen Bereichen kannst du Einfluss nehmen? Liste es ruhig alles mal auf. Du wirst sehen: Das ist nach wie vor eine ganze Menge. Vielleicht findest du ja auch eine Kleinigkeit, mit der du dir täglich deiner Selbstwirksamkeit bewusst wirst? Ein kreatives (Weihnachts-)Projekt? Ein (sportliches) Ziel, auf das du hintrainierst?

Wut

Situation: Bist du wütend? Alles läuft schief und es reicht dir so richtig? Ständig gehen andere oder du selbst über deine Grenzen? Du schimpfst und schreist, knallst Türen und bist so richtig unter Dampf? Wut kann auf sehr viele unterschiedliche unerfüllte Bedürfnisse hinweisen: Freiheit, Autonomie, Effektivität, gehört und verstanden werden, Selbstbehauptung…

Ideen: So unterschiedlich wie die hinter der Wut liegenden Bedürfnisse können dementsprechend auch die Strategien ausfallen. Wichtig ist nur: Bitte unterdrücke deine Wut nicht, sondern finde eine Form, um deine Gefühle so gewaltfrei wie möglich rauszulassen. Und oft kann unter der Wut auch ein anderes Gefühl wie Angst, Scham oder Traurigkeit liegen.

Stress

Situation: Fühlst du dich gestresst? Macht dir die Flut an unterschiedlichen, teils gegensätzlichen, Informationen zu schaffen? Oder fühlst du dich, im Gegenteil, nicht ausreichend informiert? Hast du keine Idee, wie du all die Aufgaben bewältigen sollst, die auf dich einprasseln? Das kann ganz schön mürbe, kraftlos und müde machen. Zudem brechen zurzeit viele Unterstützer-Netzwerke weg, fallen Angebote aus.

Ideen: Wir mögen sehr die Idee vom Dorf – welches wir ja bekanntlich brauchen, um ein Kind großzuziehen. In unserer Facebook-Gruppe zum Beispiel erleben wir immer wieder wertschätzenden Austausch und Empathie. Das kann sehr entlastend sein. Vielleicht hast du ja auch ganz konkrete Ideen, was dich „analog“ entlasten kann? Die Nachbarin, die mit den Kindern draußen eine Runde dreht? Die Kollegin, die in der Mittagspause die drei Dinge mitbesorgt, die du beim Einkauf am Vortag vergessen hast? Das bewusste Ausklingen aus dem Nachrichtenstrom bei einem gemütlichen Back- und Vorlesenachmittag mit den Kindern? Es müssen nicht immer die ganz großen Ideen sein wie das Wellnesswochenende oder der kinderfreie Städtetrip. Viele kleine Oasen im Alltag sind mindestens genauso effektiv. Und viel leichter zu realisieren.

Eines möchte ich zum Schluss noch einmal ins Gedächtnis rufen: Unsere Gedanken beeinflussen unsere Gefühle. Gedanken können Gefühle auslösen oder vorhandene Gefühle verstärken, dämpfen oder sogar unterdrücken. Unangenehme Gefühle können verschwinden, wenn wir das zugehörige Bedürfnis erkannt haben, dafür müssen wir es noch nichtmals zeitnah erfüllen.

Unser Kursangebot: Mit Klarheit ins neue Jahr – Rauhnächte ohne Hokuspokus

selective focus photography of lighted candles

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Foto: Thilipen Rave Kumar/Pexels.com

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