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Über den Sommer möchte ich dich als Leser:in dazu einladen, dich mit der Frage zu beschäftigen, welche Vision du hast. Was sind deine Wünsche und Träume – für dich, für dein:e Kind:er, für die Welt? Ich rufe daher zu einer so genannten Blogparade auf: Wer mag (und einen Blog hat) kann einen Text zum Thema „Vision“ schreiben und in einem Kommentar verlinken. So entsteht hoffentlich eine bunte Sammlung. Ich bin sehr gespannt und freue mich auf einen regen Austausch.

Für Leser:innen:

Den Anfang mache ich mit meinen Gedanken zur Frage „In welcher Welt wollen wir leben?“. Am Ende des Textes stelle ich dir noch einige Fragen – du kannst sie für dich als Reflexion nutzen. Worüber ich mich besonders freue: Wenn du deine Gedanken dazu in einem Kommentar mit mir und den anderen Leser:innen teilst!

Für Blogger:innen:

Für alle, die an der Blogparade teilnehmen wollen oder Blogger:innen kennen, die unbedingt teilnehmen sollten: Weitere Infos gibt es auch hier am Ende des Textes.

So, nun aber los!

Wohin des Weges?

Zum Abschluss meiner Grundausbildung in der Gewaltfreien Kommunikation (GFK) sagte meine Ausbilderin: „Letztlich ist es an euch zu entscheiden: In welcher Welt wollt ihr leben?“ Wir hatten über Einwände und Grenzen der GFK gesprochen und ein wenig davon geschwärmt wie wundervoll es wäre, wenn ALLE die Grundlagen dieser Kommunikationsform beherrschen würden und wir somit ALLE friedvoll und wertschätzend miteinander umgehen würden.

Die Frage hallt bis heute in mir nach. Ich stelle sie mir regelmäßig. Dann, wenn mir Dinge gegen den Strich gehen. Wenn ich hoffnungslos und frustriert bin. Wenn mir mein Tun wie ein Kampf gegen Windmühlen vorkommt. Ja, dann komme ich dort an und denke mir: „Verdammt Birthe, in welcher Welt willst du leben? Was ist deine Vision, dein WARUM hinter all dem hier?“ Für mich ist es unglaublich kraftvoll, mich damit regelmäßig zu verbinden. Denn dann stolpere ich nicht planlos durchs Leben, sondern weiß, auf was ich zusteuere.


„Wer nicht genau weiß wohin er will, der darf sich nicht wundern, wenn er ganz woanders ankommt.“

– Mark Twain

Handeln wir gegen den Sinn, entstehen Schuldgefühle

Augustinus (354 – 430 n. Chr.), einer der großen römischen Kirchenlehrer, hat schon gesagt: „Liebe – und dann tue was du willst.“ Er meinte damit die Klarheit, Reinheit und Hingabe im Herzen die wir spüren, wenn wir uns einem Gedanken oder einer Aufgabe zuwenden.

Wir brauchen diese „Hingabe im Herzen“, um ein erfülltes, zufriedenes Leben zu führen. Handeln wir wider unseren Lebenssinn, dann entstehen in der Regel Schuldgefühle. Oft ist uns dieser Zusammenhang gar nicht so bewusst – wenn du dich das nächste Mal schuldig fühlst, dann achte darauf, in welchem Kontext diese Gefühle stehen. Das kann wirklich sehr aufschlussreich sein und dir den Weg zu deinen Werten und deiner Vision weisen.

Ziele, Werte, Visionen – wie hängt das alles zusammen?

Ich schiebe an dieser Stelle mal eine kleine Begriffsklärung ein. Diese leite ich ab aus den Unterlagen meiner Coaching-Ausbildung nach Dr. Björn Migge.

Ein Ziel ist demzufolge ein veränderter, erstrebenswerter Zustand. All unsere Wahrnehmungsfilter (also was wir sehen, hören, fühlen, riechen, schmecken), unser Denken und unsere Handlungen sind auf Ziele ausgerichtet. Eine Vision beschreibt das innere Bild einer Vorstellung, sozusagen einen „gewollten Tagtraum“. Erst durchs Tun (oder Planen) kann aus der Vision ein Ziel entstehen. Ziele und Visionen eröffnen den Weg zur Gestaltung der Zukunft.

Daher ist es so wichtig, diese zu kennen! Wenn beides in deinem Leben fehlt oder nur schwammig vorhanden ist, dann kann sich das auf deine Selbstbewusstheit und Selbstwirksamkeit auswirken. Sind diese beiden Bereiche bei dir im Mangel, passiert es dir vielleicht auch schnell, dass du dich verzettelst und keine wirklichen Prioritäten kennst. Du fühlst dich ggf. dauerhaft überlastet und innerlich unruhig, erledigst Eiliges sofort und verschiebst Wichtiges auf den Sankt Nimmerleinstag. Sehr wahrscheinlich fällt es dir auch schwer, dich abzugrenzen, Nein zu sagen, Verantwortung für dich und deine Gefühle zu übernehmen und dir gleichzeitig nicht jeden fremden Schuh anzuziehen.

 Unsere Ziele und Visionen wiederum formen sich auf Basis unserer Werte. Werte bestimmen, was uns wichtig ist und was wir tun. Sie sind ein wesentlicher Bestandteil unserer Identität und unseres Selbstkonzepts. Zum Teil sind diese Motive genetisch bedingt, zum Teil durch Erziehung oder Erlebnisse in der Kindheit oder im Erwachsenenalter entstanden. Ich persönlich bin auch fest davon überzeugt, dass sich unsere Werte im Laufe des Lebens immer mal wieder ändern können – und definitiv verschiebt sich die Priorisierung dieser.

Daher schaue ich regelmäßig, wie stimmig dieser Dreiklang aus Werten, Zielen und Visionen für mich noch ist.

Wie gut bist du mit dir selbst verbunden? Als wie stimmig erlebst du dein Selbstkonzept?
Foto: Motoki Tonn / Unsplash

Wie stimmig ist dein Selbstkonzept?

Vielleicht kennst du ja auch diese Menschen, die unglaublich charismatisch sind. Du fühlst dich von ihnen magisch angezogen und saugst jedes Wort mit großer Neugier auf. Diese hohe Ausstrahlungskraft rührt meist daher, dass diese Menschen ihre verschiedenen Persönlichkeitsanteile kennen und – das ist das entscheidende – miteinander ausgesöhnt haben. So können sie kongruent sein, also in sich stimmig.

Andersherum fühlst du dich mit anderen Menschen vielleicht nicht so wohl. Manchmal kannst du das gar nicht genau festmachen. Schau doch mal hin, ob es vielleicht daran liegen könnte, dass sie gemischte, mehrdeutige Botschaften aussenden, also inkongruent sind.

Als wie stimmig empfindest du dein eigenes Selbst? Was würde eine gute Freundin, ein guter Freund dazu sagen?

Die Welt, in der ich leben will, baut auf den Grundannahmen der Gewaltfreien Kommunikation auf.

Ich spüre für mich seit Jahren, wie wohltuend die Gewaltfreie Kommunikation für mich ist. Meine wichtigsten Werte sind Authentizität, Sinnstiftung, Empathie, Nachhaltigkeit und Gleichwürdigkeit. All das kann ich sehr gut mit den Grundannahmen der GFK vereinbaren.

Diese lauten:

  • Alles, was Menschen tun, ist der Versuch sich Bedürfnisse zu erfüllen.
  • Alle Menschen haben die gleichen Bedürfnisse (wenn auch nicht immer zur gleichen Zeit).
  • Gefühle sind ein Hinweisgeber darauf, ob Bedürfnisse erfüllt oder unerfüllt sind.
  • Menschen tragen gerne zum Wohlergehen Anderer bei, so lange dies freiwillig geschieht.
  • Jeder Mensch hat die angeborene Fähigkeit zur Empathie.
  • Du bist okay, ich bin okay – alle Bedürfnisse zählen gleich viel!
  • Jeder Vorwurf und jedes Urteil ist tragischer Ausdruck unerfüllter Bedürfnisse. Schauen wir dahinter, dann können wir wieder in Verbindung kommen.

Ja, in dieser GFK-Welt möchte ich gerne leben! In der wir friedvoll miteinander umgehen – was an allererster Stelle bedeuten, dass wir lernen, friedvoll mit uns selbst umzugehen. Marshall B. Rosenberg hat das auf den Punkt gebracht: „Die entscheidendste Wirkung hat die GFK vermutlich jedoch auf den Umgang mit uns selbst.“ Deswegen ist die Selbstempathie für mich auch der absolute Kern und größte Schatz der GFK. Dazu nochmal Rosenberg: „Wenn wir innerlich gewalttätig mit uns selbst umgehen, dann ist es schwierig auf andere von Herzen empathisch zu reagieren.“

Ich wünsche mir also eine Welt, in der Menschen (wieder) lernen, ihre Gefühle wahrzunehmen und darauf zu hören, was sie brauchen. In denen Kinder diese Gabe gar nicht erst verlernen. Weil sie eben NICHT so sehr runterreguliert werden, bis sie nur noch funktionieren. Sie sollen eigenständig denken, ihre Fragen stellen dürfen – ganz gleich wie „ungeheuerlich“ manche Erwachsene das auch finden mögen. Ich wünsche mir eine Welt, in der wir einander wieder richtig und echt zuhören. Ja, eine Welt mit einer vernünftigen Diskussionskultur. In der zunächst jeder sagen darf, was in ihm oder ihr vorgeht. Und wir dann selbstverständlich auch eine andere Position beziehen können. Nur bitte erst dann, wenn wir unser Gegenüber vollständig gehört und verstanden haben. Ohne Vorverurteilungen und Bewertungen.

„Alles, was es wert ist getan zu werden, ist es auch wert unvollkommen getan zu werden.“

Marshall B. Rosenberg

Ja, ich weiß auch, wie verdammt schwer das ist! Deswegen wünsche ich mir gleichzeitig auch eine Welt, die frei von Dogmatismus ist. Deswegen sage ich auch immer wieder laut und öffentlich, dass auch ich als GFK-Trainerin nicht immer gewaltfrei bin. Und natürlich zweifle auch ich ab und an am guten Kern des Menschen, den ja der Humanist Rosenberg einfach so als unumstößlich angenommen hat. Ich bin keineswegs frei von Urteilen – vor allem über mich selbst habe ich jeden Tag noch zig. Doch mein Bewusstsein dafür wächst immer mehr. Und genau das wünsche ich allen Menschen auf dieser Welt: Dass sie wieder bewusster werden in dem was sie tun!

Dafür liebe ich die Gewaltfreie Kommunikation so sehr. Denn Sprache formt unser Gehirn. Jeder unbewusste oder bewusste innere Dialog lässt aus neuronalen Trampelpfaden mit der Zeit Autobahnen entstehen. Lasst uns neue Autobahnen entwerfen, die das Verbindende in den Vordergrund stellen.

Und du? In welcher Welt willst du leben? Schreib‘ es gerne auf – als Kommentar unter dem Beitrag.

Fragen zu Zielen und Visionen, die du dir stellen kannst:

  • Was ist das Ziel hinter dem Ziel?
  • Wofür ist das Ziel eigentlich gut? Und wofür nicht?
  • Woran merkst du, dass das Ziel erreicht ist?
  • Kann die Zielerreichung jetzt beginnen? Hemmnisse, Erschwernisse
  • Was ist der Weg zum Ziel?
  • Wie wird sich die Zielerreichung auswirken? Sind die Auswirkungen annehmbar?
  • Was brauche ich, damit es mir gutgeht?

Liebe Blogger:innen, eine herzliche Einladung an euch!

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Foto: Cottonbro / Pexels.com

Hast du einen Blog zu Familienthemen? Dann lade ich dich herzlich ein, dich an meiner Blogparade zu beteiligen. Die Teilnahme ist ganz einfach: Schreibe und veröffentliche bis spätestens zum 31. August 2022 einen eigenen Text zum Thema „Meine Vision“. Du bist völlig frei, in welche Richtung der Beitrag geht. Falls du mitmachen möchtest und noch Anregungen brauchst, schreibe mir gerne eine Mail an info@leuchtturm-eltern.de – ich habe sicher was in petto.

Es gibt nur EINE EINZIGE REGEL: Verlinke diesen Blogbeitrag in deinem Text. Natürlich verlinke ich dich im Gegenzug auch. Nach Ablauf der Blogparade werde ich zudem noch alle Beiträge in einem Text hier im Blog zusammenfassen. Wer mag, der kann gerne den #blogparadeleuchtturmeltern2022 in den Sozialen Netzwerken nutzen.

Damit ich auch ja keinen Beitrag übersehe, lass mir doch bitte einen Kommentar mit dem Link zu deinem Text da.

Viel Spaß!

Liebe Leserin, lieber Leser!

na und für dich lohnt es sich, regelmäßig zu schauen, ob es neue Beiträge zum Thema gibt. P.S.: Dafür kannst du unten einen Kommentar schreiben und dann einen Haken setzen bei „Benachrichtige mich über nachfolgende Kommentare“. Dann siehst du jeden neuen Beitrag. Oder du abonnierst die Flaschenpost – darüber verschicke ich regelmäßig Updates.

Titelbild: Birthe Müller-Rosenau

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Birthe

Mama von Zwillingen und einer Großen, Trainerin für Gewaltfreie Kommunikation und Journalistin, lernt mit Begeisterung neue Dinge. Sie schwankt zwischen Freude und Verzweiflung über ihre lebendige Familie.

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