Warum wir uns manchmal wie ferngesteuert fühlen

Von Null auf 100 im Bruchteil einer Sekunde. Kennst du solche Situationen? Gerade warst du noch die liebevolle, entspannte, friedvolle Mama – und im nächsten Moment: Peng! Ein Satz deines Kindes, eine unerwartete Reaktion, ein unangenehmes Gefühl… und plötzlich fühlst du dich, als hätte jemand den Joystick in der Hand und würde dich damit steuern.

Nur wer oder was ist da bloß am Werk, wenn wir derart „außer“ uns sind und komplett aus der Verbindung mit uns selbst UND unserem Kind fliegen? Darüber haben wir mit unserer Kollegin Anna-Leke von Langendorff gesprochen. Sie ist Empathischer Coach und Innere-Kind-Expertin. Am Ende des Blogbeitrags erfährst du mehr über sie und ihr aktuelles Angebot. Falls du lieber Videos schaust, statt zu lesen: Hier geht es zum Interview.

Ich kenne doch meine Bedürfnisse – warum hilft mir dieses Wissen nicht (immer)?

Ihre Basis ist – genau wie bei uns – die Gewaltfreie Kommunikation (GFK) nach Marshall B. Rosenberg. Sie nutzt sie als Werkzeug, um Bedürfnisse ausfindig zu machen.

Wer hier schon eine Weile liest, weiß: Verena und ich lieben Bedürfnisse! Sie sind für uns die Schatzkammer der GFK. Doch auch nach Jahren der stetigen Selbstreflexion und einer guten Kenntnis meiner eigenen Bedürfnisse passiert es mir immer wieder: Eines meiner Kinder (oder auch mein Mann) sagt oder tut etwas und von einer auf die andere Sekunde fahre ich komplett aus der Hose.

„Viele beschreiben es als Film, aus dem sie nicht aussteigen können, als einen Vulkan der ausbricht oder ein Fass, das überläuft“, bestätigt Anna-Leke. Alles Wissen hilft dann nicht mehr weiter. „Es ist, als wären wir innerlich wie ferngesteuert, als hätte jemand einen Joystick in der Hand“, beschreibt sie es.

Aaaaaahhhhh, was ist denn das? Warum fahre ich plötzlich so aus der Hose?
Foto: Priscilla du Preez / Unsplash

Die Innere-Kind-Arbeit setzt da an, wo die Gewaltfreie Kommunikation an ihre Grenzen kommt

Dieser „jemand“ ist mit ziemlicher Sicherheit unser Inneres Kind. Ein innerer Anteil von uns, der schon vor der Geburt Erfahrungen gemacht hat. Vor allem schmerzhafte Gefühle, unerfüllte Bedürfnisse, innere Mängel und Sehnsüchte speichert unser Unterbewusstsein ab.

In einer Situation die zunächst einmal augenscheinlich überhaupt nichts mit diesen Erlebnissen aus der Kindheit zu tun hat, können diese Erfahrungen plötzlich mit einer unglaublichen Kraft wieder an die Oberfläche kommen. Wir werden dann regelrecht von unseren Gefühlen überschwemmt und fragen uns manchmal im Nachhinein: Was zum Teufel war das?

„Wenn die Selbstreflexion mit der Gewaltfreien Kommunikation an die Grenzen kommt, dann können wir durch die Innere-Kind-Arbeit tief verstehen, warum wir in manchen Situationen agieren, wie wir agieren“, sagt Anna-Leke von Langendorff.

Hey Kleines! Schön, dich kennenzulernen.
Foto: Rodolfo Sanches Carvalho / unsplash

Woran merke ich, dass mein Inneres Kind betroffen ist?

Wenn es also von jetzt auf gleich in dir zu brodeln beginnt, es vielleicht eng in deiner Brust wird, dein Puls rast, dir heiß im Gesicht wird oder du rastlos und unruhig wirst – dann führt vielleicht gerade in deinem Inneren jemand einen Rumpelstilzchen-Tanz auf.

Anna-Leke erzählt von einer wiederkehrenden Situation, die sie mit ihrem damals noch kleinen Sohn hatte. Er wollte sich häufig nicht wickeln lassen, und auch wenn Anna-Leke in den meisten Momenten ruhig bleiben konnte, so bemerkte sie immer wieder dieses Brodeln in ihr. „Ich dachte mir: Ich muss das aushalten. Und gleichzeitig dachte ich auch: Das ist doch kein Zustand, wenn ich ständig denke, dass ich es aushalten muss“, sagt sie.

In einer dieser Situationen am Wickeltisch schloss sie dann kurz die Augen und „ging“ zu ihrer „Kleinen“, wie Anna-Leke ihr Inneres Kind nennt. Sie sah, wie das kleine Mädchen wütete und laut schrie: „Warum kümmerst du dich um den? Ich will, dass du dich um mich kümmerst!“. Es ging also um Zuwendung, die sich ein innerer Anteil von ihr sehnlichst wünschte. Daher schickte ihr Unterbewusstsein ihr diese Ungeduld mit ihrem Sohn.

Viele unerfüllte Bedürfnisse aus der Kindheit lassen sich im Erwachsenenalter noch „nachnähren“.
Foto: Stocksnap

Was braucht mein Inneres Kind?
Und wie kann ich es fragen?

Hm, das klingt alles etwas abstrakt für dich? Dann hilft dir vielleicht das Bild von dem Eisberg. Wir sehen nur einen winzigen Teil von ihm – denn überwiegend befindet er sich unter der Wasseroberfläche. Wir neigen dazu, diesen zu vergessen, dabei kann gerade er mit seiner Masse viel Schaden anrichten oder – neutraler gesagt – einen riesigen Einfluss auf das Geschehen haben.

Bei der Inneren-Kind-Arbeit geht es nun darum, diesen verdeckten Teil mittels bestimmter Techniken wie Bildreisen, Meditationen oder Glaubenssatzarbeit wieder sichtbar zu machen, um sich gezielt um die dabei aufgedeckten unerfüllten Bedürfnisse zu kümmern. „Wir tauchen so richtig in die dreckigen Gewässer ein“, sagt Anna-Leke. Und verspricht direkt: „Doch keine Angst, es wird meist nicht so schlimm wie befürchtet.“

Sie schaut sich mit ihren KursteilnehmerInnen und Coaching-KlientInnen wiederkehrende, herausfordernde Situationen an. Und zwar unter der Fragestellung: Wie ging es meinem Inneren Kind in diesem Moment? Was hätte es gebraucht?

Es ist nie zu spät für eine glückliche Kindheit.

Diese Bedürfnisse können dann ganz gezielt „nachgenährt“ werden. Ganz getreu dem Motto, dass es nie zu spät für eine glückliche Kindheit ist. Der Satz geht nach meinen Recherchen übrigens auf den Hypnotherapeuten Milton Erickson zurück, wurde dann aber immer wieder abgewandelt von unterschiedlichsten Personen gebraucht.

„Vor potentiell heiklen Situationen kann ich mir dann auch schon mal mein Inneres Kind zur Brust nehmen und die Bedürfnisse nähren, die in Mangel geraten könnten“, betont Anna-Leke von Langendorff. Gerade zu Beginn klappe das natürlich nicht immer, lenkt sie ein. „Aber mit ein bisschen Übung und Beziehungspflege klappt es immer öfter“, sagt sie und schmunzelt.

Anna-Leke von Langendorff ist Empathie-Coach und Innere-Kind-Expertin.
Foto: Anna-Leke von Langendorff

Du willst dein Inneres Kind kennenlernen?
Am 10. Juni startet ein neuer Kurs!

„Heile dein Inneres Kind – für dein Kind an der Hand!“ – so heißt der 12-Wochen-Online-Kurs von Anna-Leke von Langendorff. Er startet am 10. Juni, du hast also noch die Chance, dabei zu sein!

In sechs Modulen mit Videos plus Workbook zeichnet Anna-Leke den Weg auf, wie du zu deiner eigenen „Inneren-Kind-Expertin“ (oder zum Experten) werden kannst. Zudem gibt es sieben jeweils zweistündige Zoom-Calls und eine exklusive Facebook-Gruppe zum Austausch.

Inhaltlich wird es um das Erlernen des von Anna-Leke entwickelten IKB-Prinzips gehen – einer Verknüpfung aus Innerer-Kind-Arbeit und Bedürfnisentschlüsselung.

Mehr zu Anna-Leke und zum Kurs erfährst du hier.

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