Selbsteinfühlung – wozu ist das gut?

Etwas geschwurbelt klingt es, wenn wir sagen: Selbsteinfühlung bringt uns (wieder) mit unserer eigenen Lebendigkeit in Kontakt. Nüchterner formuliert und vereinfacht auf den Punkt gebracht könnte man auch sagen: Selbstempathie macht uns, insbesondere in herausfordernden Situationen, (wieder) handlungsfähig.

Ich mag gern dieses Gesamtziel – Handlungsfähigkeit erlangen – unterteilen in zwei Etappenziele:

  1. Durch Selbstempathie gelange ich zu innerer Klarheit: ich bin in einer möglicherweise herausfordernden Situation und ergründe, was mir wirklich wichtig ist, was mir wirklich am Herzen liegt, worum es mir eigentlich geht. In GFK-Sprech: ich finde die Bedürfnisse, die ich mir erfüllen möchte.
  2. Durch Selbstempathie übernehme ich Verantwortung für mich selbst, indem ich herausfinde, wie ich für die Erfüllung meiner Bedürfnisse sorgen kann. Ich werde mir über verschiedene Handlungsoptionen klar und entwickele praktische Strategien.

Feiern und Bedauern

Im Leben mit Kindern (und anderen Menschen) kann Selbstempathie auch in anderen Situationen hilfreich sein. Wenn es nicht so sehr darum geht, wieder handlungsfähig zu werden, weil uns eine herausfordernde Situation lähmt oder wir in unserer Wut, Ohnmacht, Angst oder anderen heftigen Gefühlen gefangen sind. Sondern beispielsweise auch dann, wenn wir bereits gehandelt haben, jedoch nicht in einer Art und Weise, wie wir es uns gewünscht hätten.

Wenn wir geschimpft, gestraft, gebrüllt haben. Wenn wir „ja“ gesagt haben, obwohl wir lieber „nein“ gesagt hätten. Wenn wir beschämt, reguliert, kritisiert haben, und eigentlich einen liebevollen und offenen Umgang miteinander bevorzugen.

Kurz: wenn wir im Nachhinein ein schlechtes Gewissen haben und merken, dass wir nicht unseren Werten entsprechend gehandelt haben.

Schuldgefühle blockieren unsere Fähigkeit, mit anderen Menschen in Verbindung zu kommen.

In diesem Fall hilft uns Selbstempathie, unser eigenes Verhalten aufrichtig zu bedauern. Liebevoll anzunehmen und zu akzeptieren, dass wir uns Bedürfnisse auf eine weniger lebensdienliche Art zu erfüllen versucht haben. Wenn wir in dieser Art unsere eigene menschliche Fehlbarkeit anerkennen und wertschätzen können, dann können wir Schuldgefühle auflösen. Schuldgefühle blockieren unsere Fähigkeit, mit anderen Menschen in Verbindung zu kommen. Lösen wir sie auf, wird Verbindung wieder möglich.

Und zu guter Letzt sei noch ein weiteres Beispiel für den Sinn von Selbstempathie genannt: das Feiern. Wenn uns etwas gelungen ist, wenn wir Erfolge erzielt haben, wenn wir uns ein Bedürfnis erfüllt, zum Wohle anderer beigetragen, im Einklang mit unseren Werten gehandelt haben – dann können wir mithilfe der Selbstempathie die Schönheit der erfüllten Bedürfnisse intensiv wertschätzen.

Der Prozess des Feierns und der Wertschätzung stärkt unser Selbstbewusstsein, unseren Selbstwert, unser Selbstvertrauen. Hier geht es einfach um eine stärkende Verbindung mit uns selbst. Und sorgen wir gut für uns selbst, dann können wir auch besser für andere sorgen. In diesem Sinne ist Selbstempathie ein mächtiges Instrument der Selbstfürsorge.

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