Social Media – Macht uns das Scrollen krank?

Fluch und Segen liegen oftmals nah beieinander. So ist es auch mit Social Media. Ich habe in der jüngsten Zeit verschiedene Erfahrungen mit den Sozialen Netzwerken gemacht. In diesem Text möchte ich sie mit dir teilen und dir erzählen, welche Schlüsse ich daraus für mich ziehe.

Scrollen bis die Augen zufallen

Hast du dich selbst auch schon dabei erwischt, wie du spätabends scrollst und scrollst und scrollst? Endlich sind die Kinder im Bett – und du sehnst dich so sehr nach etwas Ablenkung und Entspannung. Willst deine Zeit noch selbstbestimmt nutzen. Und die Inhalte auf Facebook, Instagram und Co. verbinden dich ja auch so wunderbar mit der Außenwelt. Gerade in Zeiten, in denen wir immer wieder echte Kontakte reduzieren müssen.

Außerdem gibt es ja auch wirklich viele wundervolle und informative Accounts – gerade für Eltern! Auch mir macht es große Freude, neue Inhalte für die Leuchtturm Eltern zu kreieren und mit meinen Followern zu interagieren.

Eigentlich ist es längst Schlafenzeit, aber du scrollst dich weiter durch Social Media bis dir die Augen zufallen.
Kennst du das? Eigentlich ist es längst Zeit zu schlafen… doch du scrollst dich planlos durch Social Media.
Foto: mikoto.raw/Pexels

Die Sucht nach den Likes

Doch ich bemerke auch immer mehr die andere Seite von Social Media: Es macht mich nervös, wenn ein Post mal nicht so gut ankommt. Ich habe ein schlechtes Gewissen, wenn ich zu spät auf einen Kommentar reagiere. Und außerdem will ich die Inhalte der vielen anderen sehr guten Kolleginnen und Kollegen da draußen ja auch gerne würdigen, liken, kommentieren, teilen. Ach ja: Mich mehrmals pro Woche in den Storys bei Instagram zu zeigen gehört natürlich auch zum guten Ton. Da kommen schon ganz schön viele Stunden pro Tag zusammen, in denen ich am Handy hänge.

Dabei will ich das gar nicht. Denn die wirklich schönen, achtsamen Momente, erlebe ich dann, wenn das Smartphone in der Tasche bleibt. Wenn ich nicht schon in der Situation darüber nachdenke, wie sich das Foto wohl auf Social Media machen wird.

Digital Detox – Zeiten ohne Social Media sind bei mir ein Muss

Deswegen verordne ich mir selbst in regelmäßigen Abständen ein „Digital Detox“ und ziehe mich tageweise oder sogar für mehrere Wochen komplett aus Social Media zurück. So zuletzt geschehen in den Weihnachtsferien. „Aber deine Reichweite!“ – der Einwand kam teils scherzhaft, teils ernst gemeint von Kolleginnen und Kollegen. Ja, die Reichweite leidet. Und ja, auch einige Follower verschwinden in inaktiven Zeiten. Doch stört mich das?

Sollte nicht gerade ich vorleben wie es ist, nach meinen Bedürfnissen zu handeln? Wäre es nicht völlig inkonsequent, wenn ich mir bewusst immer mehr von dem zuführe, was mir offensichtlich schadet bzw. mich zumindest phasenweise daran hindert, mit mir selbst und mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen?

Shit-Storm in 3, 2, 1 Minuten…

Dieses Mal endete mein (eigentlich bis zum 9. Januar) geplantes Social-Media-Fasten allerdings sehr plötzlich am Nachmittag des 29. Dezembers. In einem unachtsamen Moment ist uns unsere Hündin entlaufen – wir hatten sie zwei Tage zuvor erst aus dem Tierheim geholt. Mehrere blöde Zufälle und menschliche Fehler führten dazu, dass das noch sehr schreckhafte Tier in wilder Panik davonlief.

AUSGERECHNET MIR ist das passiert, die ich zuvor verschiedenste Sicherheitslücken bei uns geschlossen hatte und generell ultra vorsichtig und strukturiert bin.

Was folgte waren drei Tage reinste Gefühlsachterbahn. Da gab es wirklich jede Menge zu be- und verarbeiten. Doch dazu später.

Auf Anraten des Tierheims stellte ich sofort ein Foto des Hundes bei Facebook ein und gab alle Eckdaten an. In Windeseile wurde der Post nicht nur zig Mal geteilt. Nein, es ging auch direkt los mit dem „Shit-Storm“. „Hoffentlich muss das arme Tier nicht die Dummheit seiner Besitzer mit dem Leben bezahlen“ – „Wie können Menschen nur so dumm und ignorant sein?“ – „Was ich liebe schütze und behüte ich doch wie meinen Augapfel.“ – „Ich wünsche dem Hund, dass er zu tierlieben Menschen kommt und weg von dieser dummen Familie.“ – Das waren nur einige der Kommentare.

Es gab eine unglaubliche Vorverurteilung von uns als Familie. Ohne, dass überhaupt jemand die wirkliche Geschichte kannte. Ohne, dass jemand wusste, dass ich seit ich zehn Jahre alt war schon Hund hatte und unsere Hündin davor (ebenfalls aus dem Tierheim) über zwölf Jahre bei uns gelebt hat.

Verschiedenste Studien konnten inzwischen den Zusammenhang von einer intensiven Social-Media-Nutzung und Depressionen und anderen psychischen Störungen nachweisen.
Verschiedenste Studien konnten inzwischen den Zusammenhang von einer intensiven Social-Media-Nutzung und Depressionen und anderen psychischen Störungen nachweisen.
Foto: Kat Smith/Pexels

Und gleichzeitig ganz viel Hilfsbereitschaft

Natürlich gab es auch andere Kommentare und unglaublich viel Hilfbereitschaft. Das ist mir wichtig, an dieser Stelle zu betonen und mich noch einmal ganz ausdrücklich dafür zu bedanken. Denn innerhalb von Stunden war der Post über 700 Mal geteilt worden. Und so fand unsere Hündin dann recht zügig und durch den beherzten Einsatz einer Tiertrainerin und der Tierrettung wieder zu uns. Unversehrt.

Das wäre vielleicht ohne die Reichweite der Tierrettung Dogman auf Facebook nicht so schnell möglich gewesen. Also auch hier: Fluch und Segen sehr dicht beieinander.

Wertschätzendes Miteinander? In der Social-Media-Welt leider oft ein Fremdwort.

Ich gestehe ganz offen, dass ich mit dem Hass und den Urteilen nicht umgehen konnte. Nicht in einer Situation, in der ich ohnehin schon voller Schuldgefühle war und diese – trotz all meiner Selbstcoaching-Tools – nur mit Mühe bearbeiten konnte.

Ich habe mich dann dazu entschieden, aktiv Selbstfürsorge zu betreiben und insbesondere die Facebook-App und den Messenger von meinem Handy zu löschen und meinem Mann für die Zeit der Suche nach unserem Hund meinen Account zu überlassen. Ich wollte mich selbst dieser Situation keine Sekunde länger aussetzen. Zum Schutz meiner eigenen Psyche und zum Schutz meiner Kinder, die mich in der natürlich auch für sie herausfordernden Situation als starke Erwachsene an ihrer Seite brauchten.

Leider war das nicht meine erste Erfahrung dieser Art mit Facebook. In den vergangenen Monaten haben sich dort einige Ereignisse gehäuft, die mich haben sehr nachdenklich werden lassen. Insbesondere zu allem rund ums Thema Corona habe ich eine Verschärfung des Tonfalls erlebt. Beschimpfungen, Beleidigungen und lachende Emojis als Kommentar zu Meldungen über Todesfälle. Kommentarfelder, die zu echten Schlangengruben wurden.

Ich habe mich immer gefragt: Ob wohl Herr M. das Frau X. auch so ins Gesicht sagen würde? Oder macht ihn erst die Anonymität des Internets stark? Und wie geht es wohl Frau X., wenn sie abends liest wie ihr und ihren Kindern jemand die „Pest an den Hals“ wünscht. Nachdem sie gerade alle alleine ins Bett gebracht hat, weil ihr Mann auf der Intensivstation liegt. Erkrankt an einem Virus, den „die da oben“ aber nur erfunden haben. So schreiben es zumindest Frau H., Herr Z. und viele, viele andere. Und zig Internetlinks als Beleg haben sie auch beigefügt.

Kurz gesagt: Ich steige da aus.

Es war also der letzte Tropfen eines ohnehin schon lange überlaufenden Fasses. Oder anders gesagt: Die Entscheidung reifte bereits seit längerem, Facebook den Rücken zuzukehren. Denn die Zeit, die ich dort scrollend verbringe, kann ich so viel sinnvoller nutzen. Ohnehin habe ich festgestellt, dass mir Instagram als Medium viel mehr liegt. Ich mag diese Art von Posts, die wie kleine, in sich geschlossene Blogbeiträge sind. Ich mag die schönen Fotos, die Inspirationen, die Netzwerke, die entstehen.

Und vielleicht bin ich da naiv. Aber mir kommt der Tonfall dort viel wertschätzender und freundlicher vor als auf Facebook. Daher werde ich mich in Zukunft voll und ganz auf meine Beiträge dort konzentrieren. Ich werde nach bestem Wissen und Gewissen das posten, was ich für meine Follower als nützlich und hilfreich ansehe. Während ich mich gleichzeitig nicht verrückt machen lassen will von Herzchen und Zahlen.

Soweit mein Vorsatz und mein Beschluss fürs Neue Jahr. Was ich mir sonst noch so vorgenommen habe, liest du übrigens hier.

Die Facebook-Seite und auch die Gruppe werden zunächst noch eine Weile bestehen bleiben. Ich bin dort aber nicht mehr aktiv. Folge mir doch stattdessen bei Instagram – falls noch nicht geschehen. Wir sehen uns dort!

Und du? Wie gehst du mit Social Media um?

Lasse mir doch gerne einen Kommentar da, welche Erfahrungen du mit den Sozialen Netzwerken gemacht hast und warum du dort (noch) bist oder eben gerade nicht mehr. Vielleicht hast du ja auch eine spannende Geschichte erlebt? Oder für dich einen gesunden Umgang mit Social Media gefunden?

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3 Kommentare

  1. Das kann ich sehr gut verstehen. Und ja, du hast recht, tendenziell ist der Tonfall auf Instagram immer noch ein wenig besser als auf Facebook.

  2. Das kann ich gut verstehen und nachfühlen. Schön zu lesen, dass euer neues Familienmitglied wieder wohlbehalten bei euch angekommen ist.

    Auch mir geht Facebook zunehmend auf die Nerven, ich bin allerdings noch zu keiner abschließenden Entscheidung gekommen.

    Ich glaube es kommt dir bei insta vielleicht nur wertschätzender vor, weil deine Bubble voll mit coolen Accounts ist. Da begegnen einem seltener Posts außerhalb der Bubble, vermute ich.

    Ich freue mich, auf Insta weiter mit dir verbunden zu bleiben und wünsche dir ein großartiges Jahr 2022 voller Gesundheit, Freude, Gelassenheit und Erfolg!

  3. Ich freue mich, dass eure Hündin wieder wohlbehalten zu euch zurück gekommen ist.
    Deinen Abschied von Facebook kann ich sehr gut nachvollziehen. Ich habe mich auch vor einiger Zeit von Facebook verabschiedet. Genau aus den gleichen Gründen. Fühle mich bei Instagram deutlich wohler. Ich hoffe das bleibt auch so.

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