Sag mal – wie redest du eigentlich mit DIR???

Bei dem Versuch als Eltern ALLES richtig zu machen, machen wir eine Sache oft falsch. Wir verlieren den liebevollen Kontakt zu uns selbst. Vergessen unsere eigenen Bedürfnisse. Funktionieren irgendwann nur noch wie ein Roboter. Kommt dir das bekannt vor?

Selbstempathie – was ist das überhaupt?

Sicher hast du schon mal irgendwo das Zitat von Peggy O’Mara gelesen: „Die Art, wie wir mit unseren Kindern sprechen, wird zu ihrer inneren Stimme.“ Ich mag dieses Zitat sehr. Und gleichzeitig denke ich jedes Mal, wenn es mir begegnet: Unsere eigene innere Stimme ist dafür entscheidend, wie wir mit unseren Kindern sprechen und umgehen.

Denn ich bin überzeugt davon, dass wir nur dann wirklich empathisch und friedvoll mit anderen Menschen umgehen können, wenn wir uns selbst mit einer friedlichen Haltung begegnen. Oder anders gesagt: Ein mitfühlendes Verständnis für mich selbst (= Selbstempathie) ist die Voraussetzung für eine friedvolle Elternschaft.

So hat es übrigens auch Marshall B. Rosenberg, der Begründer der Gewaltfreien Kommunikation formuliert: „Für die meisten von uns beginnt das Herbeiführen friedlicher Veränderung mit der Arbeit an der eigenen Haltung – an der Art, wie wir uns selbst und andere sehen, an der Art, wie wir unsere Bedürfnisse erfüllen.“

Wir neigen dazu, uns selbst ständig zu bewerten.

Im Prozess der Selbstempathie können wir unsere Gedanken als Brücke zu unseren Bedürfnissen nutzen. Mehr dazu liest du weiter unten im Text. Wenn wir uns auf diesen Prozess einlassen, dann begeben wir uns knietief in unseren eigenen Sumpf. Das kann manchmal weh tun oder anstrengend sein. Doch im Gegenzug werden wir immer mit persönlichem Wachstum und hilfreichen Erkenntnissen belohnt.

Selbstempathie – ein bisschen GFK-Theorie…

…wenn du magst. Ansonsten springe einfach gleich weiter zum nächsten Absatz. Kurz gesagt stellt die Gewaltfreie Kommunikation eine Möglichkeit dar, die eigenen Bedürfnisse auf eine Weise zu erfüllen, die unseren Werten UND denen anderer gerecht wird. Der Prozess lässt sich in drei Säulen unterteilen:

1. Selbstempathie: Dieser Prozess findet rein in unserem Inneren statt. Du kannst dir das wie eine Art Selbstgespräch vorstellen, bei dem du Sender:in und Empfänger:in gleichzeitig bist.

2. Empathie: Du empfängst eine Nachricht von außen – und nimmst diese mit deiner ganzen Präsenz auf.

3. Aufrichtigkeit: Du sendest eine Botschaft nach außen, mit einer konkreten Bitte an eine andere Person.

Die Selbstempathie, so sagt es Rosenberg selbst, ist der Teil des GFK-Prozesses, der erst die Voraussetzung schafft, um sich aufrichtig und gewaltfrei mitteilen zu können oder empathisch auf sein Gegenüber zu reagieren.

Selbst-Empathie ist altruistisch motivierter Egoismus! Sie dient dazu, sich selbst zuzuwenden, und danach anderen Menschen – voll und ganz, geklärt und genährt. Ich kenne kein besseres Rezept für von Herzen kommendes Mitgefühl und für gute Beziehungen.

Gerlinde Ruth Fritsch, GFK-Trainerin und Psychotherapeutin

Mithilfe der Selbstempathie in der GFK können wir Schuldgefühle, Scham, Angst, Ärger, Frustration und Depression auflösen. Denn durch die Selbstempathie lernen wir eine neue Art der Bewertung von uns selbst: „Es ist die Fähigkeit, Vorfälle und Umstände so zu bewerten, dass wir aus den Erfahrungen lernen und dann auch immer öfter Entscheidungen treffen, die uns weiterbringen.“ (Marshall B. Rosenberg)

Die Selbstempathie in der GFK ist also so eine Art „Selbstcoaching-Tool“, mithilfe dessen wir uns selbst und unsere Bedürfnisse immer besser kennenlernen. Unsere „Fehler“ lernen wir als unsere derzeitigen Grenzen kennen und erfahren so, wo unsere Wachstumschancen liegen. Veränderung ist dann durch den klaren Wunsch motiviert, ZU ETWAS HIN zu streben, statt unangenehme Gefühle oder destruktive Energien ZU VERMEIDEN.

Selbstempathie – warum sie IMMER an erster Stelle stehen sollte

Hm, brauchst du noch mehr Argumente, warum Selbstempathie IMMER ZUERST kommen sollte? Na dann mal schnell und kompakt:

Selbstempathie…

…macht uns wieder handlungsfähig in Situationen, in denen wir wie blockiert sind. Zum Beispiel durch Trigger, starke Gefühle oder ein nicht enden wollendes Gedankenkarussell.

…verhilft uns zu innerer Klarheit. Das wiederum macht es uns leichter, andere um etwas zu bitten oder auch beharrlich für uns einzustehen.

…ist mitfühlendes Verständnis für uns selbst. Dieses wiederum ist Voraussetzung dafür, dass wir in herausfordernden Situationen überhaupt mit anderen wieder gewaltfrei in Kontakt treten können.

…bringt uns zurück in die Eigenverantwortung und somit auch in die Wirksamkeit. Denn wenn ich meine Bedürfnisse kenne, dann kann ich auch gut für mich sorgen.

…macht uns bewusst, dass wir alles getan haben, was uns in der bestimmten Situation möglich war. Wir können unser Handeln bedauern und uns gleichzeitig mit dem guten Grund verbinden, aus dem wir so gehandelt haben.

…ist gelebte Selbstfürsorge und Psychohygiene!

Selbstempathie ist so, als würden wir uns selbst in den Arm nehmen.
Foto: Unsplash/Ava Sol

Selbstempathie – so funktioniert sie ganz konkret

Na, nun bist du sicher ganz gespannt, wie das denn genau funktioniert, mit der Selbstempathie. Daher teile ich hier mit dir einen 5-Schritte-Plan, angelehnt an das Buch „Praktische Selbst-Empathie“ von Gerlinde Ruth Fritsch.

#1: Was ist geschehen? (Beobachtung)

Was hat die starken Gefühle ausgelöst? Versuche die Situation wertfrei zu beschreiben. Was war zu sehen, hören, riechen oder schmecken? Was hätte eine Kamera gefilmt?

#2: Was denkst du? (Gedanken)

Hier finden alle deine Interpretationen, Bewertungen, Urteile, Vorwürfe, Annahmen, Befürchtungen, Analysen… ebenso Platz wie Handlungsimpulse. Was hättest du am liebsten getan oder gesagt? Notiere alle Gedanken, die dir durch den Kopf gehen.

#3: Welche Gefühle hast du? (Gefühle)

Falls dir der Zugang zu deinen Gefühlen schwerfallen sollte, nutze gerne eine Gefühlsliste und schaue, wo du beim Lesen Resonanz verspürst. Du kannst auch Körperempfindungen notieren wie eine Enge in der Brust, ein Ziehen im Magen, ein Zittern der Beine…

#4: Was brauchst du? (Bedürfnisse)

Wonach sehnst du dich? Manchmal steckt der Bedürfnisbegriff schon in der Umkehr des Gefühls: unsicher -> Sicherheit; angespannt -> Entspannung usw. Auch hier kannst du wieder eine Liste nutzen, dieses Mal mit Bedürfnisbegriffen. Wenn du einen „Treffer“ landest, dann kannst du körperliche Entspannung bemerken.

#5: Was kannst du tun? (Strategie)

Hier geht es ganz konkret darum, was dir in der jeweiligen Situation gut täte. Lässt sich das als Bitte an dich selbst, dein Gegenüber oder eine dritte Person richten? Ist sie konkret und umsetzbar?

Übung macht die Meisterin – oder den Meister!

Du wirst sehen, mit ein wenig Übung lernst du bald schon, dich in Sekundenschnelle in dich selbst einzufühlen. Für den Anfang empfehle ich dir, dir in einer ruhigen Minute Situationen vorzunehmen, die dich den Tag über herausgefordert haben, und die du dir nun – Schritt für Schritt und gerne mit Papier und Stift – genauer ansiehst.

Übrigens: Das muss kein linearer Prozess sein – wahrscheinlicher ist sogar, dass du immer wieder zwischen den einzelnen Punkten hin und her pendeln wirst. Folge einfach dem Flow.

Sollten dabei Fragen auftauchen oder du dir Begleitung und Unterstützung wünschen, dann komm‘ doch gerne in die geschlossene Facebook-Gruppe oder buche einen kostenfreien Kennenlern-Termin für eine Empathische Begleitung.

Und wenn dir der Text weitergeholfen hat, dann lasse doch bitte einen Kommentar da oder empfehle ihn anderen weiter. Denn nur so können diese Inhalte viele Menschen erreichen. Von Herzen Danke!

Deine Birthe

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