Mental Load

Mental Load (deutsch: Mentale Last) bezeichnet vor allem die unsichtbaren Aufgaben bzw. das Dran-Denken und Verantwortlich-Sein für verschiedenste Bereiche des Paar- und Familienlebens. In vielen Familien fällt diese Position des Familienmanagments den Frauen zu. Sie tragen Untersuchungen zufolge mehrheitlich die alleinige oder zumindest die Hauptverantwortung für alle familiären Prozesse. Dies kann zu einer so schwerwiegenden Belastung führen, dass die betroffene Person Symptome wie Erschöpfung bis hin zum Burnout entwickelt.

Entstehung des Begriffs

Die britische Tageszeitung „The Guardian“ verhalf im Mai 2017 dem Comic „Emma“ der gleichnamigen französischen Zeichnerin zu großer Bekanntheit. Der zentrale Satz „Du hättest doch bloß fragen müssen!“ zeigt anschaulich den Kern von Mental Load: „All die vielen unsichtbaren Aufgaben, die nie explizit genannt werden, dennoch alle nebenher identifiziert, bedacht, geplant und nachgehalten werden, befinden sich im Kopf der Frau.“ So beschrieb es die deutsche Autorin und Bloggerin Patricia Cammarata  im Februar 2020 anlässlich des „Equal Care Days“.

Ziel des Aktionstages ist es seit 2016, auf die ungleiche Verteilung so genannter „Care-Arbeit“ (Betreuung von Kindern, das Pflegen von Kranken, Alten und Menschen mit Behinderung) aufmerksam zu machen. Demzufolge werden derzeit in Deutschland 80 Prozent dieser Arbeiten von Frauen übernommen. Das umfasst sowohl den beruflichen als auch den privaten Kontext. Gerade im häuslichen Bereich fehle es laut den Initiatoren für die nahezu unsichtbare „Care-Arbeit“ zusätzlich an Wertschätzung und Anerkennung.

Auch Dran-Denken ist ein To-Do…

Mental Load gibt einer schwer greifbaren Belastung einen Namen.

Patricia Cammarata machte den Begriff „Mental Load“ in Deutschland bekannt. Sie berichtet von der Erleichterung der Frauen, endlich einen Namen für ihre bislang nicht greifbare Belastung zu haben. Denn oft ist dieser Zustand der Überlastung zusätzlich mit Schamgefühlen verbunden: „Andere schaffen das schließlich auch.“ Die Betroffenen suchen die Schuld bei sich selbst oder halten sich für einen Einzelfall. Die Scham hält sie auch davon ab, mit ihrem Partner darüber zu sprechen.

Neue Rollenverteilung verschärft das Problem oft noch.

In den vergangenen Jahren hat das Problem der „Mental Load“ an Bedeutung gewonnen. Gerade weil es in vielen Familien nicht mehr die klassische Rollenverteilung gibt (Der Mann verdient das Geld, sie kümmert sich um Kinder und Haushalt.). Frauen hätten dann Cammarata zufolge drei Jobs: „Den bezahlten Job, den unsichtbaren Projektmanagementjob und (wenn es gut läuft) die Hälfte aller Umsetzungsarbeiten rund um Haushalt und Familie.“

Beispiel: Das Projekt „Einladung zum Kindergeburtstag“

Das Kind bringt aus der Schule eine Einladung zum Kindergeburtstag mit. Dies löst mehrere Planungs- und Koordinierungsprozesse aus:

Hat das Kind an diesem Tag noch Zeit? Wenn nicht, können wir die anderen Termine absagen?
Was sagt der Stundenplan? Wie schafft mein Kind es, an diesem Tag die Hausaufgaben zu erledigen und an dem Geburtstag teilzunehmen? Hole ich es ausnahmsweise mal mit dem Auto aus der Schule ab?
Wie regele ich das dann mit dem Kindergartenkind? Vielleicht kann ich die Nachbarin bitten. Oh Mist, die braucht dann noch eine Vollmacht für den Kindergarten.
Wo wohnt überhaupt das Geburtstagskind? Mit welchen Eltern kann ich mich absprechen was das Bringen und Holen angeht? Wer denkt an den Kindersitz?
Was wünscht sich überhaupt das Geburtstagskind? Wieviel Geld geben wir aus? Wann schaffe ich es in den Laden, wo es die Geburtstagskiste gibt?
Haben wir noch Geschenkpapier? Wer packt das Geschenk ein?
Ach, der Geburtstag ist im Wald. Passen meinem Kind noch seine Gummistiefel? Und so weiter und so fort.

Foto: Pexels/Pixabay

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Mama von Zwillingen und einer Großen, Trainerin für Gewaltfreie Kommunikation und Journalistin, lernt mit Begeisterung neue Dinge. Sie schwankt zwischen Freude und Verzweiflung über ihre lebendige Familie.