Ich habe ein Mental-Load-Problem – Doch wie erkläre ich das bloß meinem Partner?

Problem erkannt, Problem gebannt? Wenn das mal immer so einfach wäre. Vielleicht gehörst auch du zu den Mamas, die schon lange wissen, dass sie ein Mental-Load-Problem haben. Vielleicht hast du auch den starken Wunsch, es endlich anzugehen. Endlich mit deinem Partner (oder deiner Partnerin*) darüber zu sprechen. Eine faire Lösung für alle zu finden.

Die Frage ist: Was hält dich davon ab? Die Mental-Load-Expertin Laura Fröhlich beschreibt es in ihrem Buch „Die Frau fürs Leben ist nicht das Mädchen für alles“ wie folgt: „Mit dem Partner über Mental Load zu reden, endet oft in einer Schulddiskussion nach dem immer gleichen destruktiven Schema. Sie äußert ihren Unmut, vielleicht auch ihre Verzweiflung. Bei ihm kommt es wie ein Vorwurf an. Und zack, geht er in die Gegenwehr. Ein konstruktives Gespräch ist so unmöglich.“

Was also tun? Das versuche ich hier in diesem Text einmal genauer aufzudröseln. Er ist ursprünglich als Gastbeitrag für Lauras Blog „Heute ist Musik“ entstanden. Die generelle Vorgehensweise ist nicht nur auf Gespräche über Mental Load, sondern auf „Problemgespräche“ jeder Art anwendbar.

*Im Folgenden bleibe ich bei der männlichen Form. Um den Lesefluss zu gewährleisten, aber auch, weil ich für diese Konstellation aus eigener Erfahrung schreiben kann.

Was genau hält dich davon ab, mit deinem Partner zu reden?

Ich möchte dich dazu einladen, dir im ersten Schritt deiner Gedanken bewusst zu werden. Was denkst du über dich selbst? Was über deinen Partner? Oft schleppen wir einen ganzen Rucksack voller Erwartungen, Enttäuschungen und Urteile mit uns herum.

Hinzu kommen die gesellschaftlichen Konventionen. „Frauen können das mit Familie und Haushalt einfach besser“ ist zum Beispiel eine nach wie vor verbreitete Ansicht. Vielleicht verurteilst du dich auch selbst dafür, dass du den Haushalt einfach nicht im Griff hast. Oder aber du denkst über deinen Partner, dass er ein fauler, undankbarer Mensch ist. Der dich und deine Gefühle und Bedürfnisse nicht sieht. 

Nimm dir ruhig mal Stift und Zettel und schreibe alles auf, was dir zu dem Thema „Aufgabenverteilung bei uns in der Familie“ so einfällt. So erkennst du die Muster, nach denen es bei euch bisher gelaufen ist. Kannst dir Luft machen und deine Gefühle, die das in dir auslöst, anerkennen und zulassen. So bereitest du den Boden für ein gutes Gespräch.

Denn es gibt natürlich auch einen Grund, warum du dich bislang „gedrückt“ hast: Es könnte für alle unbequem werden. Du verlässt die bekannten Pfade und vor allem deine Komfortzone. Das System wird grundlegend durchgerüttelt und neu sortiert. Puh. Kopf in den Sand stecken gilt jetzt nicht. Bereite dich lieber vor.

person holding blue ballpoint pen writing in notebook
Bevor du mit deinem Partner sprichst, überlege dir zunächst: Um was geht es mir eigentlich?
Foto: picjumbo.com / Pexels.com

Frage dich selbst: Um was geht es mir hier eigentlich wirklich?

In der Gewaltfreien Kommunikation führt der Lösungsweg über die Bedürfnisse. Deine Unzufriedenheit, deine Erschöpfung, vielleicht auch Hilflosigkeit – all das deutet auf Bedürfnisse hin, die bei dir zu kurz kommen. Schau dir dazu auch gerne nochmal deine Gedanken und Urteile aus dem ersten Schritt an. Aus ihnen kannst du Bedürfnisse ableiten. Ein Satz wie „Der glaubt wohl, ich sei hier für alles zuständig!“ deutet zum Beispiel auf den Wunsch nach geteilter Verantwortung hin. Vielleicht geht es dir auch um Wertschätzung für das was du da tust.

Ich schlage dir mal meine persönliche Top Five vor, die mir im Zusammenhang mit Mental Load einfallen: Wertschätzung, Wirksamkeit, Erholung, Autonomie, Verbindung.

Es können bei dir natürlich ganz andere Dinge betroffen sein. Spüre da mal in dich hinein, was du dir von Herzen wünschst. Wie deine Idealvorstellung wäre.
Möchtest du gerne, dass deine Anstrengungen gesehen werden?  (Wertschätzung)
Oder geht es dir darum, dass der geputzte Boden auch mal fünf Minuten sauber bleibt? (Wirksamkeit)
Vielleicht brauchst du vor allem mal Ruhe im Kopf, der vor lauter To-Dos rattert? (Erholung)
Oder willst du endlich mal wieder selbst entscheiden, was du tust, nicht ständig so getrieben sein? (Autonomie)
Wünscht du dir, dass dein Partner sieht, wie es dir geht, dich unterstützt? (Verbindung, Empathie)

Bereite dein Gegenüber vor. Formuliere dein Anliegen klar und deutlich.

Wenn du das alles etwas sortiert hast, dann formuliere dir ruhig den ein oder anderen Satz vor. Überlege auch, wie du überhaupt in ein solches Gespräch einsteigen willst. In der Gewaltfreien Kommunikation nennen wir das „Drei Mal anklopfen“, um überhaupt eine Verbindung zum anderen herzustellen.

Ist dein Gegenüber Gesprächsbereit? Die Methode „Dreimal Anklopfen“ aus der Gewaltfreien Kommunikation.
Foto: Kelly Sikkema / Unsplash

1. Anklopfen: Ich möchte gerne mit dir reden. Hast du einen Moment Zeit für mich? – Bei einem Nein: Wann wäre denn ein guter Zeitpunkt für dich?

2. Anklopfen: Ich würde gerne mit dir über … sprechen. – Und hier liegt tatsächlich schon die Crux. Wenn du das Thema zu groß wählst, kann es sein, dass dein Partner direkt abspringt. Vielleicht kannst du eine kleine, konkrete Situation benennen? Vielleicht gibt es einen vorausgegangenen Streit wegen der nicht ausgeräumten Spülmaschine? Dann könnte dein Satz lauten: Ich würde gerne mit dir über die Situation von gestern sprechen. Ich kam da in die Küche und die Spülmaschine war nicht ausgeräumt. Wir sind beide ziemlich laut geworden.

Ist dein Partner noch bei dir und hört weiter zu? Dann könntest du weitermachen mit dem

3. Anklopfen: Ich mag dir gerne sagen, wie es mir damit geht. Und auch hören, wie es dir damit geht. Bist du einverstanden?

Erwartest du Gegenwind? Wie könnte der aussehen?

Ich höre jetzt schon dein „Ja aber“. Vermutest du, dein Partner wird sich vor dem Gespräch „drücken“ wollen? Erwartest du Sätze wie: „Oh Mann, nicht schon wieder dieses Thema. Mach‘ doch nicht so ein Fass auf, nur weil ich die doofe Spülmaschine vergessen habe auszuräumen.“? Oder vielleicht auch sowas: „Tut mir leid, das nächste Mal denke ich dran. Und jetzt lass uns doch lieber über was Schönes reden.“?

Dann ist es nun an der Zeit, für eine ganz klare Ansage deinerseits. Formuliere dein Anliegen: „Diese Situation mit der Spülmaschine ist für mich nur eine von vielen. Als ich in die Küche kam und gesehen habe, dass die Spülmaschine noch nicht ausgeräumt war, war ich verärgert. Ich wünsche mir so sehr, dass ich mich darauf verlassen kann, dass Aufgaben, die ich abgebe, auch erledigt werden. Ich beobachte bei mir selbst, dass ich mich oft mit allem allein fühle. Ich bin dann hilflos und möchte so gerne mit dir gemeinsam Lösungen suchen, die für uns beide passen. Bist du bereit, mit mir darüber zu sprechen?

Ganz wichtig: Bleib‘ bei dir und deinen Gefühlen und Bedürfnissen. Versuche so gut es geht Urteile, Anschuldigungen und Anklagen wegzulassen. Deine Gefühle kann dir niemand absprechen. Deine Interpretationen zu gewissen Situationen schon.

Du bist bereit. Atme. Sage nichts. Höre zu.

Der Gegenwind muss nun nicht unbedingt abebben. Vielleicht kommt jetzt vom Partner eine ganze Salve an Rechtfertigungen, Urteilen, Vorwürfen… Das kann schmerzhaft sein. Doch du bist ja vorbereitet, denn du hast dich im Vorfeld mit den Wölfen, wie es in der Gewaltfreien Kommunikation heißt, beschäftigt.

Du kannst sie heulen lassen. Atme. Bleib‘ präsent, halte den Augenkontakt mit deinem Partner und höre einfach nur zu.

Ja, „einfach“ ist das ganz und gar nicht. Vielleicht hilft es, wenn du dir klar machst: All das muss vielleicht erstmal raus, um die Grundlage für ein Gespräch zu schaffen. Also lass‘ deinen Wolf leise heulen. Sprich‘ (zunächst) nicht aus, was du entgegnen willst. Und konzentriere dich darauf, was dein Gegenüber sagt. Versuche die Bedürfnisse dahinter zu hören. Worum geht es deinem Partner?

Auch wenn es schwerfällt: Erstmal nur genau zuhören. Um was geht es meinem Partner? Was braucht er?
Priscilla Du Preez / Unsplash

Vielleicht ahnst du es schon: Das ist Empathie. Die einfachste und zugleich schwierigste Sache der Welt. Was für Gefühle und Bedürfnisse hörst du bei deinem Partner? Vielleicht kannst du die in Worte packen? Ich höre von dir, dass du auch ganz schön frustriert bist, stimmt das? Du würdest dir wünschen, dass wir mehr Spaß und Freude hätten, richtig? Es ist schwierig für dich, zu erahnen, was mir eigentlich wichtig ist, oder?

Es geht darum wiederzugeben, was der andere gesagt hat. Formuliere es unbedingt als eine Frage oder Vermutung. Denn du kannst ja nicht wissen, wie es der andere gemeint hat. Du kannst dich auch rückversichern: Hm, bei mir kam jetzt gerade an, dass du den Haushalt vor allem bei mir siehst. War es das, was du gemeint hast? Denn vielleicht hat der andere das einfach nur unklar formuliert.

Wir neigen auch dazu, Dinge schnell als Vorwurf zu hören. Ein weiteres Beispiel: Du sagtest gerade sowas wie: „Du lässt ja auch immer alles rumliegen.“ Hättest du gern, dass jeder erstmal bei sich selber schaut und seinen eigenen Kram in Ordnung hält? Oder um was geht es dir?

Wer tiefer in das Thema einsteigen will, der kann hier im Blog Mal nach den Begriffen „Empathisches Vermuten“ und „Aktives Zuhören“ suchen.

Es läuft aus dem Ruder? So kommst du aus der Nummer raus.

Ruhig zu bleiben, wenn der Partner mit heftiger Gegenwehr reagiert, ist gar nicht so einfach. Vielleicht rutscht du auch automatisch in den Verteidigungsmodus. Und dann schaukelt sich das Gespräch immer weiter hoch. Ohne, dass sich irgendwas klärt. Ahhhhhhh! Wenn du das erkennst, dann drücke die Stopp-Taste.

Du kannst dafür Sätze nutzen wie: „Stopp! Ich möchte so nicht mit dir reden. Können wir das Gespräch bitte zu einem anderen Zeitpunkt weiterführen?“ oder „Ich merke gerade, ich brauche erstmal Zeit für mich und kann dir noch gar nicht zuhören. Es mir aber wichtig, zu hören, was du zu dem Thema denkst. Können wir bitte heute Abend weiterreden?“

green and white male gender rest room signage
Wenn es aus dem Ruder läuft: Lieber das Gespräch unterbrechen und später fortführen.
Foto: monicore / Pexels.com

Eine Notfall-Strategie ist es auch, die Situation für einen Moment zu verlassen. Kündige in dem Fall so sachlich wie möglich an, was du nun tust: „Ich brauche eine Pause. Ich gehe mal eben auf Toilette und bin gleich zurück.“ Dann hast du Zeit gewonnen, um zu überlegen, um was es dir wirklich geht und wie du vielleicht zu diesem Thema zurückfinden kannst. Vielleicht kommst du aber auch zu dem Ergebnis, das ihr das Gespräch vertagt. Oder du deinem Partner erstmal einen Brief schreibst oder eine Sprachnachricht aufnimmst.

Nur Mut. Manches muss erst sacken.

An dieser Stelle mag ich gerne noch einmal auf Lauras Buch zurückkommen und ein Zitat von Mirriam Prieß, das darin zu lesen ist: „Jedes Gespräch, was von Liebe getragen wird, anstatt auf dem Boden von Kränkung stattzufinden, beinhaltet die Lösung.“

Oder mit anderen Worten gesagt: Gib‘ nicht so schnell auf! Manches braucht seine Zeit. Und vielleicht eben auch mehrere Anläufe. Je besser du deinen inneren Wölfen (und den Wölfen deines Partners) zuhörst, desto eher wirst du zum Kern des Problems vordringen.

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Diese Gespräche sind manchmal echt zäh. Doch sie lohnen sich! Denn sie helfen nicht nur, den Mental-Load-Knoten zu lösen, sondern zahlen ganz nebenbei noch auf das Beziehungskonto ein. Also: Nur Mut!

Möchtest du üben, klar und gleichzeitig wertschätzend für dich einzustehen?

Dann komm doch in mein Gruppenprogramm „Raus aus der Wutfalle – Eigene Grenzen erkennen und klar kommunizieren“. Es startet am 22.11.2021 – noch gibt es einige freie Plätze. Hier findest du alle weiteren Informationen dazu.

Teile diesen Beitrag!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.