10 Tipps für einen entspannten Familienurlaub

Vor die schönste Zeit des Jahres hat der liebe Gott (oder wer auch immer) leider den Packstress gestellt. Wer mit der Familie verreist, fühlt sich oft so, als würde er den halben Hausstand mitnehmen. Das Packen der Koffer oder das Beladen des Autos gleicht einem Tetris-Spiel. Und zudem liegen die Nerven ab einem gewissen Punkt einfach nur noch blank. Zu viele Dinge, die noch zu bedenken und zu erledigen sind, aufgeregte Kinder und entnervte Eltern. Oft entlädt sich die immer stärker werdende Spannung dann mit einem lautstarken Gewitter. Und die soeben explodierte Person darf sich im Anschluss auch noch mit Schuldgefühlen herumschlagen.

Wir haben in diesem Text zehn bedürfnisorientierte Tipps zusammengestellt, wie es gar nicht erst so weit kommt. Oder sagen wir mal so: Wie du deine Chancen deutlich erhöhst, entspannter in den Familienurlaub zu starten. Am Ende des Textes haben wir auch noch ein kleines Geschenk zum Download für dich.

1. Klärt eure Erwartungen und Bedürfnisse im Vorfeld.

Schon im Alltag ist es mitunter schwer, die Bedürfnisse aller Familienmitglieder unter einen Hut zu bekommen. Wenn ihr Familie mit der Haltung der Gewaltfreien Kommunikation lebt, dann ist allerdings genau das euer Ziel. Auch (oder sogar ganz besonders) was den gemeinsamen Urlaub angeht. Dazu ist es natürlich zunächst notwendig, diese überhaupt zu kennen. Denn auch das ist einer der Grundsätze der GFK: Jeder Mensch ist für seine Gefühle und Gedanken sowie die Art und Weise seiner Kommunikation verantwortlich.

Wir können nicht erwarten, dass unser Gegenüber weiß, was wir gerade brauchen oder um was wir bitten wollen.

Im Klartext: Wenn du frustriert bist, weil du das Gefühl hast, die ganze Vorbereitung und Planung liegt allein in deiner Verantwortung, dann teile dies deinen Familienmitgliedern mit. Sage ihnen, was du beobachtet hast, wie du dich dabei fühlst, was du dir wünscht und worum du bittest. Das könnte in den vier Schritten der GFK so klingen:


 „Wenn ich sehe, dass wir in einer Woche in den Urlaub fahren und ich in dieser Woche noch vier Termine mit den Kindern habe, dann bin ich angespannt. Ich fürchte, meine Erholung kommt zu kurz, die ich mir so sehr wünsche. Könnten wir bitte heute Abend darüber sprechen, welche Aufgaben noch anstehen und wer welche davon übernimmt?“

Eine Familienkonferenz eignet sich, um alle gleichermaßen zu beteiligen.

Denkbar wäre es auch, eine Familienkonferenz zu machen, bei der alle gemeinsam den Urlaub und die Vorbereitungen besprechen. Auf dieses Thema werde ich demnächst in einem eigenen Artikel eingehen. Wichtig ist, dass alle zu Wort kommen dürfen und zunächst jeder Lösungsvorschlag ohne Bewertung notiert wird. Ganz gleich, wie absurd er vielleicht auf den ersten Blick scheinen mag. Erst wenn keiner mehr weitere Lösungen anbietet, betrachtet und bewertet ihr die Vorschläge. Am Ende haltet ihr schriftlich fest, auf was ihr euch geeinigt habt.

2. Listen können die Mental Load deutlich verringern.

Viele stresst im Vorfeld des Urlaubs vor allem, dass so viele Dinge gleichzeitig im Blick zu behalten sind: Wohin mit den Meerschweinchen? Wer gießt während der Abwesenheit unsere Blumen? Haben die Autoreifen den richtigen Luftdruck? Was ist eigentlich mit unseren Reisepässen, wie lange sind die noch gültig? Und sind alle Kleidungsstücke, die wir mitnehmen wollen, schon gewaschen? Ich könnte diese Aufzählung beliebig lange fortführen.

Wer über alles den Überblick behalten will, braucht ein Elefantengedächtnis.

Wir vereisen mit dem Wohnwagen, drei Kindern und einem Hund. Die ersten Jahre in dieser Konstellation bin ich schier die Wände hochgegangen, je näher der Urlaubstag rückte. Und ich gebe es zu: Ich bin dabei richtig laut und fies meiner Umwelt gegenüber geworden. Weil ich mich gefühlt habe, als hätte ich am PC viel zu viele Tabs gleichzeitig offen. Als würde ich mit 30 Bällen in der Luft jonglieren.

Für dieses Phänomen gibt es einen Namen: Mental Load. Die Last, an alles denken zu müssen. Alles im Blick zu behalten. Was uns geholfen hat: Checklisten zum Abhaken während des eigentlichen Packens und das Führen eines Bullet Journals in der restlichen Zeit (auch zu diesem Thema wird es bald noch einen Text geben). Was aufgeschrieben ist, kann schon mal nicht mehr verloren gehen. Und vor allem kann ich es auch delegieren. Also ganz im Sinne der GFK eine Bitte an eine andere Person richten.

3. Eine gute Planung nimmt den (Zeit-)Druck raus.

Urlaubstage sind kostbar. Vor allem, wenn du in einem klassischen Angestelltenverhältnis arbeitest. Deswegen ist es auch verständlich, wenn du keinen davon „vergeuden“ willst. Dennoch plädiere ich dafür, sich bereits ein bis zwei Tage vor dem Start in den Urlaub freizunehmen. Das nimmt so viel Druck raus. Oder ihr macht euch einen Plan, wer an welchen Tagen etwas früher das Büro verlässt, um dann noch Aufgaben abzuarbeiten.

Für den Packmarathon selbst kann es absolut hilfreich sein, auf sein Netzwerk zurückzugreifen. Also die Großeltern, Nachbarn oder den Babysitter zu bitten, die Kinder zu beaufsichtigen oder etwas mit ihnen zu unternehmen. Wir nutzen oft auch die Zeit, wenn die Kinder schlafen. Oder es gibt „Sofa-Kino“ für die Kleinen, während die Großen in Ruhe die Listen abarbeiten.

4. Lasse deine Kinder beitragen und beziehe sie mit ein.

Eine der Grundannahmen der GFK ist, dass Menschen gerne zum Wohlergehen anderer Menschen beitragen. Solange sie dies freiwillig tun können. Dies gilt auch oder sogar insbesondere für Kinder. Fragt sie, was sie gerne an Aufgaben übernehmen wollen. Vielleicht können sie vor der Abfahrt die Brote für unterwegs schmieren, die Pflanzen im Garten gießen oder mit dem Hund Gassi gehen, während ihr die letzten Dinge einpackt.

Unsere Kinder sind zurzeit neun und fünf Jahre alt. Sie packen weitestgehend selbstständig ihre Sachen ein. Mein Mann hat eigens dafür eine Liste mit Symbolen entworfen, in die wir dann die Anzahl eintragen und die danach von den Kindern abgehakt werden kann. Die so gepackten Hosen, T-Shirts, Kuscheltiere, Gesellschaftsspiele und was sie sonst noch alles brauchen, wandern nach und nach auf unser großes Bett im Elternschlafzimmer. Jeder hat dort seinen durch einen Zettel markierten Bereich, in dem er die Dinge ablegen kann. So können wir nachher noch einmal kontrollieren. Ich kann allerdings versichern, dass alle drei das bei uns mit einem Feuereifer und einer großen Gewissenhaftigkeit tun. Die Liste haben wir als kleines Geschenk am Ende des Textes zum Download hinterlegt.

Die Packliste gibt es am Ende des Textes als Download.

5. So beschwichtigst du deinen Inneren Antreiber.

Oft stresst uns jedoch gar nicht so sehr das Außen, sondern wir stressen uns selbst. Achte mal darauf, wie du mit dir selbst in Situationen sprichst, in denen Druck aufkommt. In denen du vielleicht nicht „perfekt“ bist, deine Unvollkommenheit sich zeigt. Kannst du das liebevoll annehmen? Oder setzt du dich selbst unter Druck indem du Sätze denkst wie: „Ich sollte eigentlich…“ oder „Ich muss unbedingt noch“? Klar ist es toll, wenn ihr auf der ersten Rast selbstgebackene Muffins essen könnt. Und klar ist es angenehm, nach dem Urlaub in ein geputztes und aufgeräumtes Haus zurückzukommen. Die Frage ist nur: Welchen Preis zahlst du dafür? Schau ruhig mal, welche Bedürfnisse du dir dadurch befriedigst und was auf der anderen Seite in Mangel gerät.

Wir sind mal abends mit den Kindern zu unserem Wohnwagen aufgebrochen und hatte völlig vergessen, Abendessen mitzunehmen. Alle Geschäfte hatten schon zu. Also gab es das, was noch in den Vorratsschränken war: Chips, Kekse und Saft. Die Kinder schwärmen noch heute von diesem „wundervollen“ Abend.

6. Entwickle dein Mantra oder überlege dir eine Notfallstrategie.

Manchmal können Glaubenssätze oder Gedankenkarussells sehr hartnäckig sein. Wenn du merkst, dass die Stimmung mehr und mehr kippt, dich Wut uns Stress übermannen, dann setze dem ganz bewusst etwas entgegen. Verlasse die Situation – am besten mit vorheriger Ankündigung. Wie das nach GFK-Art geht, haben wir hier beschrieben. Diesen so genannten Giraffenschrei kannst du regelrecht trainieren.

So wird es dir immer seltener passieren, dass du plötzlich im wahrste Sinne des Wortes „außer dir“ bist, also nicht mehr mit dir und deinen Gefühlen und Bedürfnissen verbunden bist. Etabliere eine Handlung, die du in solchen Situationen tun kannst: Im Gedanken Dinge benennen, die du im Raum siehst, von 10 bis 0 rückwärts zählen, ein Glas Wasser trinken. Eine meiner aktuellen Lieblingsstrategien ist es übrigens, unter die Dusche zu gehen.

Notfallstrategie: Aus der Situation rausgehen, ein Glas Wasser trinken.

Du kannst dir auch ein kurzes Mantra überlegen, wenn es für dich passt. So etwas wie „Einatmen, ausatmen“ oder „Auch das geht vorbei“. Fokussiere dich in schwierigen Situationen auf diesen einen Satz, wiederhole ihn mehrmals im Geiste oder laut. Es wird dir mit großer Wahrscheinlichkeit helfen, die Situation wieder gelassener zu sehen.

7. Startet früh und packt ein Frühstück für unterwegs ein.

Für uns hat es sich bewährt, sehr früh morgens loszufahren. Die Kinder kuscheln sich dann meist noch eine Weile gemütlich in ihre Decken. Wenn sie schon ein wenig wacher sind, gibt es ein Hörspiel für sie. Oder wir machen unsere Urlaubs-Playlist an – oder erstellen sie während der Fahrt gemeinsam. Nach etwas eineinhalb Stunden gibt es dann eine Rast und wir frühstücken gemeinsam. Die Kinder können toben, der Hund macht seine Pippi-Pause und dann verliert die nächste Etappe schon ein bisschen an Schrecken.

8. Was vergessen wurde, gibt es sicher auch am Urlaubsort.

Mist, wir haben was vergessen! Solange es nicht eines der Kinder oder der Hund ist: Atme tief durch. An (fast) jedem Winkel auf der Welt gibt es so ziemlich alles zu kaufen. In den allermeisten Fällen packen wir sowieso viel zu viel Zeug ein. Für die ganz wichtigen Dinge haben wir uns angewöhnt, nochmal einen „Last-Minute-Zettel“ zu schreiben, der vor der Abreise noch doppelt und dreifach kontrolliert wird. Also das liebste Schnuffeltuch, die Brille, wichtige Medikamente.

9. Auch das Handy und der Computer dürfen mal Urlaub machen.

Vor einiger Zeit hatte ich erst auf der Fahrt zum Flughafen bemerkt, dass mein Handy zu Hause an der Steckdose geblieben war. Im ersten Moment habe ich geflucht und fühlte mich unglaublich nackt und hilflos. Nach einem Tag war ich im Urlaub so entspannt wie nie zuvor. Ich brauchte im Gewühle nicht aufpassen, dass mir das Handy gestohlen wird. Ich habe nie überlegt, ob ich es einstecke oder nicht, etwa um schöne Fotos zu schießen.

Ohne Handy habe ich die Momente so viel achtsamer und intensiver erlebt.

So viele Annehmlichkeiten Smartphone und Tablet uns auch bieten, sie sind gerade im Zusammensein mit Kindern echte Verbindungs-Killer. Wie oft sprechen wir mit unseren Kindern, während wir gleichzeitig auf dem Display rumwischen? Und wie oft unterbrechen wir ihr Spiel, weil wir sie bitten doch mal schnell fürs Foto zu lächeln?

Doch auch hier gilt: Trefft als Familie Vereinbarungen miteinander. Wieviel Handy und PC sind im Urlaub okay? Wann bleibt das Gerät in der Schublade? Jeder hat hier andere Bedürfnisse.

Fluch und Segen: Tablets und Smartphones.

10. Die ultimative Wunderwaffe ist Humor.

Wer lacht, kann nicht gleichzeitig schimpfen, quengeln oder bocken. Ganz einfach. Humor hat bei uns schon viele Situationen gerettet. Auch die Jagd nach den berühmten „Motzkühen“, die sich bekanntlich überall verstecken, hat bei uns schon oft in wildem Gelächter geendet. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Lachen Verspannungen löst. Übrigens notfalls auch erzwungenes. Wer mir nicht glaubt, der schaue sich das untenstehende Video von Vera F. Birkenbihl an.

Die leider inzwischen verstorbene Motivationstrainerin und Autorin rät für Situationen, in denen wir drohen ins Reptilienhirn zu fallen (dieses kennt nur Kämpfen, Flüchten oder Erstarren), einfach mal zu Lächeln. Denn Freudehormone fressen Kampfhormone auf.  Wenn wir keinen finden, der uns zum Lachen bringt, dann rät sie: auf dem stillen Örtchen einschließen und 60 Sekunden lang den Spiegel angrinsen. Natürlich ist das eine Grimasse. Doch der Kiefermuskel drückt in diesem Moment auf einen Nerv und schon schüttet unser Körper Freudenhormone aus. Einen Versuch ist es wert, oder?

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Oldie but Goldie – schau unbedingt mal rein, wenn du es noch nicht kennt.

In diesem Sinne wünschen wir dir und deiner Familie eine schöne Urlaubszeit. Hast du weitere Tipps für einen entspannten Urlaub? Dann teile sie gerne mit uns in den Kommentaren!

Und hier geht es zur Packliste für Kinder:

Fotos: Birthe Müller-Rosenau, Jay Mantri, Baudolino/pixabay, Nadine Doerlé/pixabay

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